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Muslime in Deutschland: Jeder Fünfte ist unter 15 Jahre alt

29.04.2021

Die große Mehrheit der Muslime bezeichnet sich als stark oder eher gläubig. Foto: unsplash.com
Die große Mehrheit der Muslime bezeichnet sich als stark oder eher gläubig. Foto: unsplash.com

Nürnberg (IDEA) – Zwischen 5,3 bis 5,6 Millionen Muslime leben derzeit in Deutschland, etwa 900.000 mehr als 2015. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil zwischen 6,4 und 6,7 Prozent. Das geht aus einer Studie „Muslimisches Leben in Deutschland 2020“ hervor.

Sie wurde vom Forschungszentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Auftrag der Deutschen Islamkonferenz (DIK) erstellt. Wie es darin heißt, sind 2,5 Millionen (45 Prozent) der Muslime türkischstämmig. Fast 1,5 Millionen (27 Prozent) kommen aus einem arabischsprachigen Land im Nahen Osten (19 Prozent) oder Nordafrika (8 Prozent).

Jeder Dritte betet täglich, jeder Vierte nie

Die große Mehrheit (gut 80 Prozent) der Muslime bezeichnet sich als stark oder eher gläubig. Starke Unterschiede gibt es in der religiösen Alltagspraxis: So halten sich zwar die meisten von ihnen an Getränke- und Speisevorschriften, aber nur 39 Prozent beten täglich, 25 Prozent dagegen nie. Das Kopftuch spielt eine geringere Rolle als häufig angenommen: 70 Prozent der Musliminnen tragen kein Kopftuch.

Muslime fühlen sich mit Deutschland stark verbunden

BAMF-Präsident Hans-Eckhard Sommer (Nürnberg) sagte bei der Vorstellung der Studie am 28. April: „Der religiöse Einfluss auf die Integration wird oft überschätzt.“ Andere Faktoren wie Sprachkenntnisse oder die Dauer des Aufenthalts in Deutschland seien wichtiger. Nach den Worten von Sommer fühlen sich viele Muslime mit Deutschland stark verbunden. 49 Prozent sind deutsche Staatsangehörige, 14 Prozent besitzen die deutsche und eine ausländische Staatsbürgerschaft. Weniger als 20 Prozent fühlten sich stärker zu ihrem Herkunftsland als zu Deutschland zugehörig, so Sommer.

Vier Fünftel bewerten ihre Deutschkenntnisse als gut

Der Studie zufolge attestiert sich der überwiegende Teil der Muslime selbst gute oder sehr gute Deutschkenntnisse (79 Prozent). Bei der schulischen und beruflichen Bildung gibt es Nachholbedarf: So liegt der Anteil der Muslime ohne Schulabschluss bei 16 Prozent. 59 Prozent haben keine Berufsausbildung oder kein Studium in Deutschland abgeschlossen. Dennoch sind fast drei Viertel der 16- bis 64-Jährigen erwerbstätig oder in Ausbildung.

Wie aus der Studie ferner hervorgeht, bilden die Muslime eine junge Bevölkerungsgruppe. 21 Prozent sind Kinder oder Jugendliche im Alter von unter 15 Jahren. Weitere 22 Prozent sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Nur fünf Prozent sind älter als 64 Jahre. Bei der Gesamtbevölkerung ist der Anteil der über 64-Jährigen mit 21 Prozent mehr als viermal so hoch.

Islamverbände repräsentieren nicht die Mehrheit

Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Koordinator der Deutschen Islamkonferenz, Markus Kerber, äußerte sich vor Journalisten kritisch zur Rolle der islamischen Verbände. Sie repräsentierten maximal 25 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime.

Zudem seien sie finanziell oder ideologisch vom Ausland abhängig. Dies sei „problematisch“ und beziehe sich vor allem auf den größten Dachverband DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) und seine Verbindungen zum Amt für Religiöse Angelegenheit (Diyanet) in Ankara.

Kerber weiter: „Die Repräsentativität der Islamverbände für die ganze in dieser Studie abgebildete Gruppe von Bürgern von über fünf Millionen ist nicht gegeben.” Für die Studie wurden mehr als 4.500 Interviews mit Muslimen geführt, die aus der Türkei, Südosteuropa, Nordafrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten stammen.

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