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„Karfreitag gibt den Gefühlen der Verwundung Raum“

02.04.2021

Am Karfreitag gedenken Christen dem Tod Jesu am Kreuz. Foto: pixabay.com
Am Karfreitag gedenken Christen dem Tod Jesu am Kreuz. Foto: pixabay.com

München/Schwerin/Stuttgart (IDEA) – Protestantische Bischöfe haben in ihren Predigten zum Karfreitag die Bedeutung des stillen Feiertags hervorgehoben.

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), sagte in der Münchner St. Matthäuskirche, der Feiertag sei wichtig, weil er den Gefühlen der Verwundung und der Erschöpfung Raum gebe. Zur Zeit sei das ganze Land wegen der Corona-Pandemie in „Karfreitagsstimmung“.

Viele Menschen fühlten sich erschöpft, verwundet und ohnmächtig. Bei allen Anstrengungen zur Bewältigung der Krise sei bisher kaum darüber gesprochen worden „was das Virus mit der Seele macht“, obwohl dies das „vielleicht zentralste Thema“ sei. Der christliche Glaube gebe eine tröstliche Antwort auf die Frage, was der Seele in dieser schwierigen Situation helfen könne. „Der Gott, der diese Welt geschaffen hat, der uns unser Leben geschenkt hat und der uns jeden Tag begleitet, der führt uns auch durch das finstere Tal dieser Zeit“, so Bedford-Strohm.

Weiter sagte der Ratsvorsitzende, Leiden sei „kein Selbstzweck, sondern es ist eine Realität, der man ins Auge sehen muss, um im Herzen wieder Platz für Freude und Zuversicht zu bekommen“.

Kühnbaum-Schmidt: Karfreitag bietet heilsame Unterbrechung

Die Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Kristina Kühnbaum-Schmidt (Schwerin), sagte in ihrer Karfreitagspredigt im Schweriner Dom, der stille Feiertag biete „inmitten eines sich immer schneller drehenden Karussells aus endlosen Gedankenschleifen und erhitzten Diskussionen eine heilsame Unterbrechung“.

Ängste und Sorgen ließen sich in den Bildern und Texten der Bibel wiederfinden. So könnten Gefühle wie Leid, Schmerz und Trauer leichter in Worte gefasst werden.

Über dem „kargen und stillen Karfreitag“ stehe „ein ungeheurer Trost“: Gerade angesichts ihrer eigenen Grenzen dürften Menschen darauf vertrauen, „dass Gott alles, wirklich alles Böse, selbst den Tod, mit neuem Leben überwindet“.

July: „An Karfreitag hängt das Gewicht der Welt“

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July (Stuttgart), erklärte in seiner Predigt in der Stuttgarter Stiftskirche, der Karfreitag bleibe vielen Menschen fremd, weil an ihm „das Gewicht der Welt“ hänge.

Deshalb gebe es „Jahr für Jahr die Forderungen, den gesetzlichen Schutz dieses Tages zu reduzieren und ihn eher ins Private und die persönliche Befindlichkeit zu schieben“. Das Leiden in der Welt lasse sich aber nicht privatisieren.

Die Menschheitsgeschichte sei durchzogen von Gewalt und Missachtung der Menschenwürde. Doch unter dem Leidenskreuz Jesu Christi sei der Kreislauf aus Gewalt, Schuld, Verrat, Tod und Verderben unterbrochen.

An Karfreitag stehe Christen besonders deutlich vor Augen, dass sie aus der Barmherzigkeit Gottes lebten und zu anderen Menschen barmherzig sein sollten. Gott rufe dazu auf, auch jene Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren, die keine Chance auf medizinische Hilfe hätten oder unter Krieg und Verfolgung litten.

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