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Jerusalemsverein: Abromeit widerspricht Antijudaismus-Vorwürfen

28.01.2021

Der frühere Bischof der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit. Foto: Marcelo Hernandez/Nordkirche
Der frühere Bischof der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit. Foto: Marcelo Hernandez/Nordkirche

Berlin (IDEA) – Der Vorsitzende des Berliner Jerusalemsvereins, Altbischof Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), hat Vorwürfe zurückgewiesen, der Verein handele antijudaistisch.

Hintergrund: Der Verein hatte Ausschnitte aus einem Weihnachtsaufruf der Kairos-Palästina-Kampagne („Christmas Alert 2020“) zitiert und auf den Weihnachtsaufruf, der elf verschiedene Beiträge enthält, verlinkt. In dem verlinkten Dokument hieß es unter anderem: „Gott veranlasste drei nichtjüdische Weisen, einem Stern zu folgen, um Zeuge eines wundersamen Ereignisses zu werden, das den Lauf der Geschichte verändern würde. Während die alten Juden blind waren, die Zeichen des Himmels zu sehen und die Geburt ihres Königs zu erkennen, öffnete Gott den arabisch-nabatäischen Weisen die Augen.“

Nachdem der Lehrbeauftragte am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) der Ruhr-Universität Bochum, Volker Beck, das in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ kritisiert hatte, bezogen die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und das Berliner Missionswerk auf Twitter Stellung. EKBO-Landesbischof Christian Stäblein, Pröpstin Christina-Maria Bammel und der Direktor des Berliner Missionswerks, Christof Theilemann, schrieben: „Wir verurteilen jede Form des Antisemitismus aufs Schärfste.“ Die „beschämende antijüdische Auslegung“ der Geschichte von den Weisen sei ebenso wie der Boykott-Aufruf in dem Schreiben ungeheuerlich: „Wir bedauern, dass es überhaupt zu dieser Veröffentlichung gekommen ist.“

Die Verlinkung und auch die anderen Ausschnitte aus dem Weihnachtsaufruf nahm der Jerusalemsverein, der dem Berliner Missionswerk angehört, einige Zeit nach der Veröffentlichung wieder von seiner Internetseite.

Abromeit: „Kairos Palestine“ will Gerechtigkeit und Versöhnung für beide Seiten

Abromeit wies den Vorwurf des Antisemitismus und Antijudaismus durch Beck in einer Mitteilung als „ungeheuerliche Falschbehauptung“ zurück: „Zu keiner Zeit hat es auf der Website des Jerusalemsvereins Inhalte gegeben, die einen solchen Vorwurf rechtfertigen würden.“

Die Verlinkung zu dem Weihnachtsaufruf auf der Internetseite der Organisation „Kairos Palestine“ bedeute nicht, „dass man sich mit allen Inhalten, die durch diesen Link erreichbar sind, identifiziert“. „Kairos Palestine“ sei keine antiisraelische Bewegung, sondern wolle „Erlangung von Gerechtigkeit und Versöhnung für beide Seiten“.

Es werde ein friedlicher Widerstand gegen die israelische Besatzung erwartet, so Abromeit. Die Bewegung schließe alle bedeutenden Theologen und Kirchenleiter in Palästina ein: „Wer wie der Jerusalemsverein die Interessen der arabischen Christen vertreten will, kann nicht an Kairos Palestine vorübergehen.“ Das bedeute nicht, dass alle Positionen übernommen würden. Man nehme die arabischen Christen als Mitchristen an und führe gleichzeitig einen kritischen Dialog mit ihnen.

Wofür „Kairos Palestine“ steht

Der Jerusalemsverein wisse sich in dieser Grundhaltung verbunden mit den Stellungnahmen der Kirchenkonferenz der EKD und des Exekutivausschusses der Evangelischen Mittelost-Kommission (EMOK) sowie der EKBO aus dem Jahr 2010 zu dem Kairos-Palästina-Dokument. „Kairos Palestine“ hatte das Dokument 2009 herausgegeben. Darin rufen palästinensische Christen dazu auf, Israel militärisch, wirtschaftlich und finanziell zu boykottieren.

EKD und EMOK hatte 2010 in einer Stellungnahme festgehalten, dass sie die in dem Dokument enthaltende Versöhnungsbereitschaft, den Willen zur Gewaltfreiheit und den theologisch in der Liebe begründeten Verzicht auf jede Form von Rache würdigen. Gleichzeitig äußern sie mehrere Vorbehalte und kritisierten mangelnde Differenzierung. Auch ein allgemeiner Boykott Israels sei nicht zu akzeptieren.

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