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Bericht

Ist Weihnachten ein christliches Fest?

25.12.2025

Immer wieder wird darüber gestritten, ob das Weihnachtsfest christlichen Ursprungs ist oder nur ältere heidnische Feste ersetzt hat. Foto: pixabay.com
Immer wieder wird darüber gestritten, ob das Weihnachtsfest christlichen Ursprungs ist oder nur ältere heidnische Feste ersetzt hat. Foto: pixabay.com

Immer wieder wird auch unter Christen darüber gestritten, ob das Weihnachtsfest einen christlichen Ursprung oder nur ältere heidnische Feste ersetzt hat. Eine Spurensuche von IDEA-Redakteur Daniel Scholaster

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen am 23.12.2020.

Neben Ostern und Pfingsten gehört Weihnachten zu den wichtigsten christlichen Festen im Jahr. In den säkularisierten Staaten westlicher Prägung nimmt es eine deutlich größere Bedeutung ein als die beiden anderen. Und auch Nichtchristen feiern es. Es gibt deshalb viele Christen, die mit dem Weihnachtsfest hadern und seine zunehmende Kommerzialisierung beklagen. Manche meinen gar, dass dieses Fest ohnehin heidnische Ursprünge habe und man es nicht begehen sollte. Ist dieser Vorwurf berechtigt?

Christus oder der „unbesiegte Sonnengott“?

Die Ursprünge des Weihnachtsfests liegen in der Antike. Nachdem der römische Kaiser Konstantin der Große (270/288-337) im 4. Jahrhundert Christ geworden war, breitete sich die Kirche in seinem Reich aus. Die alten heidnischen Feste vieler antiker Kulte wurden nach und nach abgeschafft und durch christliche Festtage ersetzt. Der Tag der Wintersonnenwende – der 25. Dezember – galt in Rom seit Kaiser Aurelian (214–275) als Geburtstag des Sonnengottes Sol Invictus. Deshalb wird immer wieder behauptet, dass die Christen dieses Datum übernommen hätten, um ein heidnisches Fest durch das christliche zu ersetzen. Doch es gibt Annahmen, dass Christen schon vor den Römern das Weihnachtsfest gefeiert haben.

Was war zuerst da?

Pfarrer Thomas Gandow war langjähriger Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Er erklärt: „Das Sol-Invictus-Fest wurde erst im Jahr 274 durch Kaiser Aurelian eingeführt. Es gibt also gute Gründe, dass es umgekehrt die Heiden gewesen sind, die ihr Fest zu Ehren des Sonnengottes auf den 25. Dezember gelegt haben, um die Christen zu provozieren.“ Das erste sicher bezeugte Weihnachtsfest sei in Rom im Jahr 336 gefeiert worden. Das schließe jedoch nicht aus, so Gandow weiter, dass diese Tradition bereits länger bestanden habe. Ein sehr starkes Argument gegen die These von den heidnischen Ursprüngen des Weihnachtsfests sind die altorientalischen Kirchen, deren Traditionen weit zurückreichen. Gandow zufolge hat die armenische Kirche – die älteste der Welt – mutmaßlich das Geburtsfest schon gefeiert, bevor sie 301 Staatskirche wurde. „Weshalb hätten sich die armenischen Christen an Bräuchen und Festtagen der Römer orientieren sollen?“

Nicht heidnisch, sondern jüdisch

Das Weihnachtsfest hat Pfarrer Gandow zufolge aber dennoch sehr wohl vorchristliche Ursprünge. Allerdings seien es nicht heidnische, sondern jüdische. Das jüdische Chanukka-Fest, das an die Weihe des Tempels in Jerusalem erinnert, wird laut Gandow schon seit 164 v. Chr. am 25. Tag des 9. Monats Kislev gefeiert. Es sei häufig als Anpassung der Juden an christliche Bräuche interpretiert worden. „Aber es ist wohl genau umgekehrt gewesen“, so der Experte. Da Jesus Christus sich selbst mit dem Tempel verglichen hat ( Johannesevangelium 2,19), liege nahe, dass die frühen Christen diese Anklänge aufgenommen und das Datum der Tempelweihe für das Geburtsfest ihres Erlösers übernommen haben. Grundsätzlich könne er jenen, die auf den angeblich heidnischen Charakter des Weihnachtsfests verweisen, nur entgegnen, dass sie damit längst widerlegte populärwissenschaftliche Thesen weitererzählen. Dass sich im Lauf der Geschichte immer wieder gewisse abergläubische Vorstellungen und Traditionen mit dem Christentum verbunden hätten, ändere nichts am Charakter des Festes an sich. Außerdem betont Gandow: „Zu jedem christlichen Fest wird sich immer auch ein nichtchristliches finden lassen, das am selben Tag stattfindet.“

Der wahre Grund

Die Entstehung des Weihnachtsfests hatte ursprünglich vor allem apologetische Gründe (von Griechisch „apologia“ – Rechenschaft, Verteidigung). Die frühe Kirche bemühte sich, eine einheitliche Lehre zu entwickeln und Irrlehren abzuwehren. Insbesondere die Doppelnatur Jesu als „wahrer Mensch“ und „wahrer Gott“ musste gegen verschiedene Sekten verteidigt werden. Und da habe sich die Feier der Geburt Jesu geradezu angeboten, sagt Gandow: „Die Auferstehung bezeugte den göttlichen Charakter Jesu. Seine Geburt von einer Jungfrau den menschlichen.“ Damit habe die Kirche den Gläubigen die Natur Jesu auf anschauliche Weise verdeutlichen können.

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