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Kommentar
06. Juni 2019

Wie steht es um Gottes Allmacht?

Pfarrerin Dr. Jutta Koslowski hat kürzlich im „Deutschen Pfarrerblatt“ (5/2019) einen Artikel veröffentlicht, in dem sie „Abschied nehmen vom allmächtigen Gott und neu glauben lernen“ möchte. Sie ist davon überzeugt, dass die Rede von der Allmacht Gottes nicht länger theologisch und pastoral verantwortet werden kann. Problematisch sei diese Rede vor allem durch das Leid, das Menschen widerfahre und das die uralte Theodizee-Frage provoziere: „Warum lässt Gott solches Leid zu, obwohl er doch die Macht hätte, es zu verhindern?“. Die Theologin möchte Gott „aus der Verantwortung für die zahllosen Glücks- und Unglücksfälle des Lebens entlassen, die wir ihm aufgebürdet haben“. Daher plädiert sie für eine Einschränkung der Allmacht Gottes, indem sie die Willensfreiheit des Menschen herausstellt. Der Mensch wird damit in die Pflicht genommen für das, was ihm widerfährt. Er ist sozusagen „seines eigenen Glückes (und auch Unglückes) Schmied“. Aber findet damit die uralte Theodizeefrage eine plausible Antwort? Von Klaus Jürgen Diehl

So ehrenwert dieser Gedanke auf den ersten Blick erscheint, so lässt er sich biblisch nicht begründen. Ja, Gott schickt auch das Leid und lässt Böses zu (z. B. Amos 6,3), ohne uns Menschen allerdings aus der Verantwortung für unser Leben zu entlassen. Ich gebe zu: Wir geraten damit in Aporien, d. h. in Ratlosigkeiten, die sich nach menschlicher Logik nicht auflösen lassen: Wie können wir für Leid bzw. Böses verantwortlich sein, das wir nicht verursacht haben? Es wäre jedoch vermessen, Gott dafür auf die Anklagebank zu setzen. Zwar dürfen wir ihm unverstandenes Leid klagen – so wie Hiob es etwa getan hat. Aber wer sind wir denn, dass wir mit Gott rechten könnten: „Spri...

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