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Kommentar
24. Juni 2020

Kentler: Kindesmissbrauch in staatlicher Verantwortung

Der auch auf Kirchentagen einst gern gesehene Sexualwissenschaftler Helmut Kentler (1928–2008) hat Pflegekinder an pädophile Männer vermittelt. Nun kommt eine Studie von der Universität Hildesheim zu dem Schluss, dass in das „Kentler-Experiment“ mehr angesehene Personen und Institutionen eingebunden waren, als bislang bekannt gewesen ist. Es habe sich über Jahrzehnte um „Kindeswohlgefährdung in öffentlicher Verantwortung“ gehandelt. Dazu eine Einordnung des Religionspädagogen Andreas Späth

Endlich nimmt die Öffentlichkeit Notiz von einigen der Opfer des Helmut Kentler. Endlich wird von Opfern gesprochen, endlich von Verbrechen und nicht mehr von „Pädagogik“. Kentler beschrieb bereits vor 31 Jahren in seinem Buch „Leihväter - Kinder brauchen Väter“, wie er „verwahrloste“ und „schwachsinnige“ Jugendliche bei Männern als Pflegevätern unterbrachte, die wegen sexuellen Missbrauchs an Jungen vorbestraft waren. In der Situationsbeschreibung verklärte Kentler die Aufnahme der Jugendlichen geradezu zu Werken der Barmherzigkeit. Dass die „Pflegeväter“ die Jungen sexuell missbrauchten, war Kentler ebenso bekannt wie die strafrechtliche Relevanz. Das störte...

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