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Kommentar
07. September 2017

Kann man alles segnen?

In vielen Gottesdiensten werden die Besucher mit dem Segen „Der Herr segne dich und behüte dich …“ (4. Mose 6,24–26) in die neue Woche entlassen. Das ist der einzige ausformulierte Segen in der Bibel. Seine Formulierung ist eine Anordnung Gottes. Die Kirche segnet Täuflinge, Eltern und Paten, Schulanfänger an ihrem ersten Schultag und Jugendliche bei ihrer Konfirmation. Gemeinden laden zu speziellen Segnungsgottesdiensten ein, in denen Besuchern der Segen Gottes durch Handauflegung persönlich zugesprochen wird. Was die Praxis des Segnens anbetrifft, so sind die Kirchen dabei inzwischen geradezu verschwenderisch großzügig. Es werden Gottesdienste mit und für Tiere angeboten. Katholische Pfarrer sprengen bei der Neueröffnung eines Autosalons Weihwasser über die glitzernden Karossen, um Autos und ihre künftigen Besitzer zu segnen. Ja, und in jüngster Zeit segnen Pfarrer der evangelischen Volkskirche auch homosexuelle Paare für ihre Partnerschaft. Angesichts eines solchen Booms an kirchlichen Segenshandlungen stellt sich die Frage: Worum geht es eigentlich beim Segen? Pastor Klaus Jürgen Diehl geht diesen Fragen in seinem biblischen Faktencheck nach.

Segen umfasst im Alten Testament zunächst die Gaben, die mit Fruchtbarkeit, Wachstum und Gedeihen zusammenhängen. So ist das erste uns in der Bibel überlieferte Segenswort eins, das den „Kindersegen“ betrifft: „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen (d. h. zu Adam und Eva): Seid fruchtbar und mehret euch …“ (1. Mose 1,28). Der Segen Gottes wird an zahlreicher Nachkommenschaft, wachsenden Viehherden und reichen Ernteerträgen gemessen. Aber er wird auch in der kleinen Münze eines herzlichen Willkommensgrußes bei der Begrüßung oder eines Wortes bei der Verabschiedung von Familienangehörigen weitergegeben – meist nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gesten...

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