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Corona-Pandemie hat das Potenzial einer „heilsamen Unterbrechung“

12.06.2020

Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, Karl-Hinrich Manzke. Foto: idea/kairospress
Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, Karl-Hinrich Manzke. Foto: idea/kairospress

Bückeburg (idea) – Die Corona-Pandemie hat das Potenzial einer „heilsamen Unterbrechung“. Diese Ansicht vertreten der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, Karl-Hinrich Manzke, sowie der Theologische Referent im dortigen Landeskirchenamt, Pastor Lutz Gräber (beide Bückeburg), in einem gemeinsamen Beitrag über „Kontrollverlust und Gottvertrauen – Corona und die Theologie“. Er wurde in einer Publikationsreihe der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) – „Texte aus der VELKD“ – veröffentlicht. Den beiden Autoren zufolge hat die Corona-Krise die ganze Welt ergriffen und „bietet genügend Anlass innezuhalten“. Man könne die Unterbrechung nutzen, um Korrekturen zu bedenken und die Ziele des gesellschaftlichen Lebens neu zu bestimmen. Die Gefährdung durch das Virus solle man nicht „als Heimsuchung oder unmittelbare Strafe eines wütenden Gottes“ deuten. Stattdessen gelte es, „den sehr riskanten und überheblichen Lebensstil“ reicher Gesellschaften zu erkennen und zu verändern. Die Kraft dafür könne nur dann wachsen, wenn „die kulturelle Kraft der Religion“ stärker sei als „die Entfesselung des ökonomischen Erfolges“. Im Christentum sei Selbstkritik „praktisch dauerhaft aufgebaut“. Die Rede von der Sünde als Entfernung des Menschen von Gottes Zielen sei kein Instrument, um Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern helfe, Menschlichkeit neu zu entdecken. Zur Debatte um Grundwerte und Rechtsgüter könne die christliche Theologie ihr „Deutepotenzial“ beisteuern. Dabei müsse man den Lebensweg Jesu bedenken. Er habe nicht alle ihm gegebene Macht in Anspruch genommen und dadurch neue Möglichkeiten geschaffen. Diese Selbstbeschränkung sei nicht nur Verzicht, sondern beschreibe eine kraftvolle Lebenshaltung und sei Ausdruck von Freiheit. Das helfe, über Fragen nachzudenken – etwa darüber, was man brauche und worauf man notfalls verzichten könne: „Brauchen wir alle Beschleunigungen des Lebens, an die wir uns gewöhnt haben? Wie viel Schulden sollte ein Staat aufnehmen, um die wirtschaftlichen Abläufe zu stützen? Wie schaffen wir es, die richtigen Fragen wachzuhalten – wenn alles wieder so sein wird wie vor Corona?“

Den Nerv der Zeit nur unzureichend getroffen

In einem Vorwort zu dem Beitrag ging der Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD und Leiter des Amtes der VELKD, Horst Gorski (Hannover), auf frühere Stellungnahmen kirchlicher Vertreter ein. Obwohl es zahlreiche Äußerungen, auch von leitenden Geistlichen, gegeben habe, schien manchen, dass „in der öffentlichen Wahrnehmung eine Leerstelle geblieben ist“. Es sei beispielsweise vom „Schweigen der Bischöfe“ die Rede gewesen. Offenbar sei es „den vielen Äußerungen nur unzureichend gelungen, den Nerv der Zeit zu treffen und als hilfreiche Daseinsdeutung wahrgenommen zu werden“. Gorski: „Haben die Kirchen einen speziellen Beitrag zur Deutung der Pandemie und des Lebens unter den Einschränkungen des Lockdowns zu bieten? Müssten nicht gerade sie es sein, die den verunsicherten Menschen in dieser Zeit Trost und Halt durch ein klares geistliches Wort geben könnten?“. Die VELKD ist ein Zusammenschluss von sieben Landeskirchen mit rund 8,6 Millionen Mitgliedern.

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