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Venezuela
06. August 2017

Kirchenvertreter mahnen zur Besonnenheit

Kirchenvertreter haben Präsident Nicolás Maduro (Mitte) dazu aufgerufen, er möge auf Pläne verzichten, die das Land in eine Diktatur verwandeln könnten. Foto: picture-alliance/Manu Quintero/dpa
Kirchenvertreter haben Präsident Nicolás Maduro (Mitte) dazu aufgerufen, er möge auf Pläne verzichten, die das Land in eine Diktatur verwandeln könnten. Foto: picture-alliance/Manu Quintero/dpa

Caracas (idea) – Angesichts der angespannten politischen Lage in Venezuela haben Kirchenvertreter zur Besonnenheit gemahnt. Papst Franziskus wandte sich mit einem eindringlichen Appell an Präsident Nicolás Maduro. Er möge auf Pläne verzichten, die das Land in eine Diktatur verwandeln könnten. Deshalb solle er die umstrittene Verfassungsgebende Versammlung stoppen. Sie ersetzt das von der Opposition dominierte Parlament und hat neben der Arbeit an einer neuen Verfassung weitreichende Vollmachten. So setzte sie am 5. August Generalstaatsanwältin Luisa Ortega ab. Sie ist eine der prominentesten Kritiker der Politik des sozialistischen Präsidenten Maduro. Die Opposition wirft ihm vor, mithilfe der Verfassungsgebenden Versammlung eine Diktatur errichten zu wollen. Angesichts der vielen Toten, Verletzten und Festgenommenen beobachte man die „Radikalisierung und Verschärfung der Krise“ in dem Land mit großer Sorge, erklärte der Vatikan.

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Bischof in Venezuela ruft Armee zum Seitenwechsel auf

Der Bischof von San Cristobal, Mario Moronta, rief Nationalgarde auf, die Seiten zu wechseln. „Wir fordern die Sicherheitskräfte dazu auf, umzukehren und sich auf die Seite der Menschenrechte zu stellen“, sagte er dem Sender Radio Vatikan. Die Soldaten hätten gelobt, das Volk und die Demokratie zu verteidigen. Sie dürften sich den Demonstranten nicht länger entgegenstellen. An die europäischen Länder appellierte Moronta, keine Waffen zu liefern. Zum Aufruf von Papst Franziskus sagte der Geistliche, er finde „ein gutes Echo“. Auslöser für die Massenproteste waren die Entmachtung des von der Opposition dominierten Parlaments. Venezuela ist in die schlimmste Versorgungskrise seiner Geschichte geraten. Die Regierung des erdölreichsten Landes der Welt führt das auf den zeitweise stark gefallenen Ölpreis zurück. Von den 30 Millionen Einwohnern sind 73 Prozent Katholiken, 17 Prozent Protestanten und sieben Prozent Konfessionslose.

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