Donnerstag • 2. Juli
Kontroverse
25. Juni 2020

Trotz Corona: Trump spricht vor 3.000 Zuhörern in einer Megakirche

US-Präsident Donald Trump auf einer Veranstaltung in Phoenix. Foto: picture-alliance/The Associated Press
US-Präsident Donald Trump auf einer Veranstaltung in Phoenix. Foto: picture-alliance/The Associated Press

Phoenix (idea) – US-Präsident Donald Trump hat in Phoenix, der Hauptstadt des Bundesstaates Arizona, in einer Megakirche vor 3.000 meist jungen Anhängern gesprochen. Wie die Tageszeitung New York Times berichtet, saßen die Zuhörer trotz der Corona-Pandemie eng beieinander, und nur wenige trugen Masken.

ANZEIGE

Im Vorfeld der Veranstaltung der Organisation „Students for Trump“ am 23. Juni war es zu einer Kontroverse um die Sicherheit in der pfingstkirchlichen „Dream City Church“ (Traum-Stadt-Kirche) gekommen. Deren Pastor Luke Barnett erklärte in einem Video, dass man extra ein neues Belüftungssystem für das Treffen installiert habe: „Wenn Sie in unser Auditorium kommen, sind 99 Prozent von Covid verschwunden und getötet, wenn es überhaupt dort war.“ Besucher könnten davon ausgehen, dass sie sicher und geschützt seien.

Ihm widersprach jedoch der Geschäftsführer des Unternehmens CleanAir EXP, das die Anlage eingebaut hatte, Tim Bender, in einem Interview. Die Mitarbeiter der Kirche hätten die Funktionsweise des Systems nicht wirklich verstanden. Auch in der Politik kam es zu einer Kontroverse um das Treffen.

Der Gouverneur des Bundesstaates, der Republikaner Doug Ducey, befürwortete die Durchführung und saß auch im Publikum. Die Bürgermeisterin von Phoenix, Kate Gallego, eine Demokratin, kritisierte den Wahlkampfauftritt Trumps. Die Sicherheitsauflagen in der Corona-Pandemie würden für alle gelten, „auch auf jeder Regierungsebene“. Sie habe vergeblich versucht, Trump zu bewegen, eine Maske zu tragen.

Trump spricht von „Kung Flu“

Auf der Veranstaltung bezeichnete Trump das Coronavirus in Anspielung auf seine Herkunft aus China als „Kung Flu“. Er erhielt dafür nach Medienberichten donnernden Applaus. Trump hat das Coronavirus wiederholt mit einer Grippe verglichen – auf Englisch „Flu“. Der führende US-Immunologe in der Corona-Krise, Anthony Fauci, zeigte sich dagegen besorgt über die weiter steigenden Corona-Infektionen. Rund die Hälfte der US-Bundesstaaten verzeichne eine Zunahme.

Trump machte in Phoenix deutlich, dass er anderer Ansicht ist: „Wenn wir mehr testen, finden wir mehr Fälle.“ Testen sei „ein zweischneidiges Schwert“. Die USA hätten 27,5 Millionen Tests durchgeführt, mehr als jedes andere Land. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das Coronavirus dabei sei, nach und nach aus den USA zu verschwinden.

Die Vereinigten Staaten sind das Land mit den meisten nachgewiesenen Corona-Infektionen weltweit. Über 2,3 Millionen Fälle wurden bisher verzeichnet. Mehr als 121.000 Menschen starben nach einer Infektion mit Covid-19.

Diskutieren

Wir haben die Kommentarfunktion auf idea.de eingestellt. Im Gegenzug starten wir ein neues Format zum gezielten Austausch mit unseren Lesern: den ideaLog, eine einstündige Frage- und Antwortrunde auf Facebook zu ausgewählten Themen. mehr »

Diese Woche lesen Sie
  • Kirchenaustritte Das große Schrumpfen
  • Interview Herr Landesbischof Manzke, was hat das Coronavirus zu bedeuten?
  • Urlaub „O Arzgebirg, wie bist du schie“
  • Pro und Kontra Sollten Christen weniger von Sünde reden?
  • Birgit Kelle Was es kostet, Mutter zu sein
  • mehr ...
ANZEIGE