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Thomas Kemmerich
05. Februar 2020

Thüringen hat jetzt einen katholischen Ministerpräsidenten

Der neue Ministerpräsident Thüringens, Thomas Kemmerich (FDP). Foto: picture-alliance/Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
Der neue Ministerpräsident Thüringens, Thomas Kemmerich (FDP). Foto: picture-alliance/Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Erfurt (idea) – In Thüringen führt künftig ein Katholik die Regierungsgeschäfte. Bei der Wahl am 5. Februar stimmten im dritten Wahlgang 45 Abgeordnete für den FDP-Politiker Thomas Kemmerich (Erfurt). Der 54-Jährige löst damit Bodo Ramelow (Die Linke) ab, der das Amt seit Dezember 2014 innehatte.

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Ebenso wie seine Vorgängerin Christine Lieberknecht (CDU/Ramsla bei Weimar) ist Ramelow Mitglied der evangelischen Kirche. Für Ramelow hatten im dritten Wahlgang 44 Abgeordnete votiert. Der von der AfD vorgeschlagene Christoph Kindervater (parteilos) erhielt keine Stimme.

Kemmerich wurde in Aachen geboren und studierte zunächst Rechtswissenschaften in Bonn. Später machte er sich in Erfurt als Unternehmensberater selbstständig. Der Vater von sechs Kindern ist seit 2011 Bundesvorsitzender des Liberalen Mittelstandes. Seit 2015 ist Kemmerich Landesvorsitzender der FDP Thüringen und Beisitzer im Bundesvorstand der FDP. Er ist er damit der zweite liberale Ministerpräsident in einem Bundesland nach Reinhold Maier (FDP/DVP), der das Amt von 1952 bis 1953 innehatte. Kemmerich wurde mit den Stimmen von CDU, FDP und AfD gewählt. Dies stieß bei SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Linkspartei auf scharfe Kritik.

Was für Junge Liberale kaum zu ertragen ist

Auch in der FDP gibt es kritische Stimmen. So teilte unter anderem auch die Jugendorganisation der FDP, der Bundesverband der Jungen Liberalen, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit: „Die Wahl von Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten ist für uns eine große Überraschung. Dass er vermutlich mit Stimmen der Thüringer AfD gewählt wurde, ist für uns Junge Liberale kaum zu ertragen.“ Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer kritisierte, das Wahlverhalten im dritten Wahldurchgang sei gegen den Willen der Bundespartei geschehen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte Neuwahlen.

Die Präsidentin der Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch (München), schrieb: „Einen Ministerpräsidenten, der nur mit Stimmen der Rechtsradikalen ins Amt gelangt, darf es in einer Demokratie nicht geben.“ In Thüringen regierte bislang eine rot-rot-grüne Regierung.

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