Samstag • 21. April
Sachsen-Anhalt
03. April 2018

Vizefraktionschef der AfD verlässt die Kirche

Der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Sachsen-Anhalt, Tobias Rausch. Foto: AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt
Der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Sachsen-Anhalt, Tobias Rausch. Foto: AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt

Magdeburg (idea) – Der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Sachsen-Anhalt, Tobias Rausch, hat angekündigt, aus der evangelischen Kirche auszutreten. „Ich werde nicht länger hinnehmen, dass mich Kirchenvertreter für mein politisches Engagement beschimpfen und ausgrenzen und ich das auch noch finanzieren soll“, erklärte der Politiker am 3. April. Wenn die Kirchen keine Spenden von der AfD annehmen wöllten, sei „es ihnen auch nicht zuzumuten“, seine Kirchensteuer anzunehmen. Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte Rausch, er werde sich keiner Freikirche anschließen und könne sich auch vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt wieder in die evangelische Kirche einzutreten – allerdings nur, wenn Kirchenvertreter endlich damit aufhören, politische Kampagnen zu betreiben, anstatt sich auf ihre eigentlichen Aufgaben zu besinnen“. Zum Hintergrund: In Sachsen-Anhalt kam es zuletzt vermehrt zu Unstimmigkeiten zwischen Kirche und AfD. Ein Reibungspunkt ist ein neues Bündnis aus Vertretern von Kirchen, Gewerkschaften und Verbänden. Mitte März hatten mehr als 50 der Beteiligten – darunter auch die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann (Magdeburg) – ein Positionspapier „Gegen ein Klima der Angst und Denunziation“ unterschrieben und veröffentlicht. Darin wird die Ansicht vertreten, dass insbesondere die AfD das gesellschaftliche Klima in Sachsen-Anhalt negativ beeinflusse. Zuletzt äußerte zudem der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Christoph Stolte (Halle/Saale), kirchliche Einrichtungen sollten auf Spenden der Partei verzichten. Vertreter der AfD-Landtagsfraktion warfen der evangelischen und katholischen Kirche daraufhin Ausgrenzung vor.

ANZEIGE

Oberkirchenrat: Vorwürfe sind „überwiegend einfach hanebüchen“

Der Beauftragte der Evangelischen Kirchen in Sachsen-Anhalt bei Landtag und Landesregierung, Albrecht Steinhäuser (Magdeburg), wies die Kritik der AfD in einer Pressemitteilung als „überwiegend einfach hanebüchen“ zurück. Man nehme den Austritt Rauschs „mit Bedauern zur Kenntnis, wie wir den Austritt eines jeden Christen aus seiner Kirche bedauern“. Jedoch könne „die Klarheit der christlichen Botschaft“ nicht dadurch infrage gestellt werden, „dass sie einigen in unserer Kirche nicht gefällt“, so der Oberkirchenrat. Auch die Aussage des AfD-Politikers Oliver Kirchner, der Kirchen als „Hautprofiteure der Asylkrise“ bezeichnete, sei „angesichts des Engagements von Christen und auch der durch die Kirchen zur Verfügung gestellten personellen und finanziellen Ressourcen einfach nur lächerlich“. Der Einsatz für Hilfsbedürftige müsse unabhängig von Herkunft und Religion stattfinden, so Steinhäuser. Kirchner ist seit Ende März Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser fünf Tage kommentiert werden.

35 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • 70 Jahre Israel Wie ein Staat die Welt verändert
  • Konstantin von Notz „Ich finde es richtig, dass die Kirchen sich auch politisch positionieren“
  • Pro & Kontra Alle in der Gemeinde gleich duzen?
  • CVJM „Wir wollen Jugendliche mit Jesus in Kontakt bringen“
  • Lebensstil Der Müllmann Gottes
  • mehr ...
ANZEIGE