Samstag • 20. Juli
Demokratie
20. Juni 2019

Lammert: Autoritäre Lösungen werden für viele Menschen attraktiver

Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Foto: idea/Wolfgang Köbke
Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Foto: idea/Wolfgang Köbke

Dortmund (idea) – Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat dazu aufgerufen, über Zusammenhänge zwischen der zunehmenden Digitalisierung und Globalisierung sowie einer wachsenden Offenheit vieler Menschen für autoritäre Lösungen nachzudenken. Er äußerte sich bei der Bundestagung des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU anlässlich des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags am 19. Juni in Dortmund. Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Zusammenhalt stärken und Gemeinschaft schützen – Verantwortliche Politik in Zeiten von Populismus und Demokratieverdrossenheit“. Die Gesellschaft sei bereits jetzt immer stärker digital geprägt, der Veränderungsprozess habe aber gerade erst begonnen. Es gebe viele Menschen, denen das Angst mache und die das nicht für eine Errungenschaft hielten. Gleichzeitig gebe es in vielen Ländern eine „erstaunliche neue Attraktivität“ für autoritäre Lösungen. Dieser Wunsch werde auch immer öfter klar formuliert. Je komplizierter die Verhältnisse würden und je weniger der Einzelne sie nachvollziehen könne, umso größer werde der Wunsch nach einfachen Lösungen. Dass populistische Parteien Zulauf haben, lasse sich somit nicht auf eine ökonomische Notlage der Menschen zurückführen, sondern hänge oft mit zukünftig erwarteten negativen Veränderungen zusammen. Lammert zitierte eine Aussage des früheren US-Präsidenten Barack Obama: „Die Demokratie ist immer dann am meisten gefährdet, wenn die Menschen beginnen, sie für selbstverständlich zu halten.“ Lammert zufolge sind Demokratien auf das Engagement ihrer Bürger angewiesen. So sei die Weimarer Republik nicht an ihre Verfassung gescheitert, sondern daran, dass es zu wenige Demokraten gegeben habe, die es als ihre ureigene Aufgabe angesehen hätten, die Prinzipien aufrechtzuerhalten.

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Bedford-Strohm: Die Botschaft der Kirche ist „unschlagbar stark“

Beim anschließenden Kirchentagsempfang des EAK sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), er gehe mit Zuversicht in die Zukunft. Es habe zuletzt manche Schlagzeilen in den Zeitungen gegeben, nach denen die Kirche kurz vor dem Aussterben sei. „Wir sind es nicht. Man spürt es an solchen Tagen besonders.“ Hintergrund ist eine Projektion des Forschungszentrums Generationenverträge der Freiburger Universität, nach der die Zahl der Mitglieder in der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland bis 2060 um 49 Prozent auf dann 22,7 Millionen abnehmen wird. Der Mitgliederrückgang geht laut Prognose nur zu 21 Prozent auf das Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen und zu 29 Prozent auf Faktoren wie Taufen sowie Kirchenein- und -austritte zurück. Vor allem im Alter zwischen 25 und 35 Jahren verlassen viele die Kirche. Den grundsätzlichen demografischen Trend könne die Kirche nicht beeinflussen, so Bedford-Strohm. Aber die gute Nachricht der Studie sei, dass die Kirche einen Teil des prognostizierten Rückgangs beeinflussen könne, indem Menschen die Kirche als Heimat (wieder) entdeckten. Die Botschaft der Kirche sei „unschlagbar stark“. Der Kirchentag findet vom 19. bis 23. Juni statt. Die Veranstalter erwarten insgesamt 118.000 Teilnehmer – 80.000 als Dauerteilnehmer und 38.000 als Tagesgäste.

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