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Politik
09. Mai 2018

Gröhe: „Das Kreuz gehört uns nicht“

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Hermann Gröhe, im Gespräch mit idea-Redakteur Karsten Huhn. Foto: idea/m.pletz
Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Hermann Gröhe, im Gespräch mit idea-Redakteur Karsten Huhn. Foto: idea/m.pletz

Wetzlar (idea) – In der Debatte um eine Kreuzpflicht in bayerischen Behörden sollten Politiker den Eindruck vermeiden, das Kreuz zu instrumentalisieren. Diese Ansicht vertritt der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Hermann Gröhe. „Das Kreuz ist Zuspruch, nimmt uns zugleich in die Pflicht. Es gehört uns aber nicht, sagte Gröhe in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Er ist zugleich Beauftragter für Kirchen und Religionsgemeinschaften seiner Fraktion. Gröhe: „Es hat jeder in der Hand, die Debatte so zu führen, dass sie weiterführt. Es ist klug, einladend über das Kreuz zu sprechen.“ Das Kreuz sei das zentrale christliche Glaubenssymbol. Wer sich als Politiker dazu bekenne, müsse sich auch danach befragen lassen, was dies im Alltag seiner Politik bedeute. Er freue sich darüber, dass das Kreuz in vielen Behörden zu finden sei und als Wege- oder Gipfelkreuze das Land präge.

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„Bibelkenntnis hat dramatisch abgenommen“

Ferner äußerte sich Gröhe zu seinen Schwerpunkten als religionspolitischer Sprecher. Für die Union seien die Kirchen ein Gesprächspartner von herausragender Bedeutung. Allerdings erlebe man derzeit in weiten Teilen der Gesellschaft einen Traditionsabbruch. Gröhe: „Die Bibelkenntnis hat dramatisch abgenommen.“ Dies sei ein Verlust für die Gesellschaft. Ferner sprach sich Gröhe dafür aus, Antisemitismus entschlossen zu bekämpfen. Entsetzlicherweise sei er nie wirklich verschwunden gewesen. Allerdings geschehe eine Beschimpfung, die vor 30 Jahren vielleicht noch anonym geäußert worden sei, heute mit voller Namensnennung. Durch die Zuwanderung aus Ländern, in denen Israelhass tief verwurzelt sei, habe sich dieses Problem verschärft. Gröhe: „Hass zu bekämpfen, bleibt leider eine Daueraufgabe.“

Christen sollten sich nicht zum Sprachrohr von Ängsten machen

Nach Gröhes Worten gibt es zu viele Christen, die sich zum „Sprachrohr von Ängsten“ machen und „Fürchtet euch!“ rufen. Der Zuspruch des Glaubens laute jedoch: „Fürchtet Euch nicht!“ Gottvertrauen zeige sich nicht in der „Abgrenzung oder gar Abwertung von Andersgläubigen, Anderslebenden oder Andersliebenden“. Christen seien keine „Angstprediger, sondern Angstbefreite“. Die Idee der Freiheit sei am christlichen Menschenbild das Strahlendste. Gröhe: „Ich leide nicht unter der Pluralität unserer Gesellschaft. Als Christ will ich Farbe bekennen, anstatt über die Buntheit zu jammern.“ Der 57-jährige Gröhe war von 2013 bis März 2018 Bundesgesundheitsminister und von 2009 bis 2013 Generalsekretär der CDU. Im Bundestag sitzt er seit 1994. Seit 1997 ist Gröhe Mitglied der EKD-Synode. Von 1997 bis 2009 gehörte er auch zum Rat der EKD. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

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