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Katrin Göring-Eckardt
20. September 2017

Konservativ zu sein, ist aller Ehren wert

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt. Foto: Dominik Butzmann
Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt. Foto: Dominik Butzmann

Wetzlar (idea) – Der Begriff „konservativ“ ist nicht problematisch, sondern aller Ehren wert. Diese Ansicht vertritt die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Ihr zufolge bedeutet konservativ „bewahrend“ – und die Bewahrung der Schöpfung sei für die Grünen ein zentrales Anliegen. Nur sie hätten bei Themen wie dem Diesel- und dem Fipronilskandal, der Energie- sowie der Verkehrswende und der Einhaltung der in Paris vereinbarten Klimaziele zukunftsweisende Antworten. Ökologie sei für die Grünen eine Existenzfrage: „Die Menschen, die Opfer von Dürrekatastrophen und starken Regenfällen werden, sind auch Opfer unserer Lebensweise.“ So zerstöre die intensive Landwirtschaft in Europa die Lebensgrundlagen von Kleinbauern in afrikanischen Ländern.

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Abtreibung von Kindern mit Down-Syndrom ist „dramatisch“

Als „dramatisch“ bezeichnete es Göring-Eckardt, dass fast alle Kinder mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) nicht auf die Welt kommen: „Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, in der das Leben eines behinderten Kindes weniger wert ist.“ Zugleich verteidigte sie die Forderung der Grünen auf ein „Selbstbestimmungsrecht der Frau“. Der Paragraf 218 StGB solle so bleiben, wie er jetzt ist. Demzufolge sind Abtreibungen rechtswidrig, bleiben jedoch in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten nach einer bescheinigten Beratung straffrei. Die Grünen setzten sich dafür ein, dass allen Kindern eine gute Zukunft bevorstehe, so Göring-Eckardt. Dazu gehöre, Kinderarmut zu bekämpfen, indem man Familien finanziell entlaste und in mehr Bildung investiere.

Zuwanderung und Integration sind erfolgversprechend

Göring-Eckardt nahm auch zum Thema Integration Stellung. Sie halte daran fest, dass Unternehmen durch Zuwanderung die erforderlichen Fachkräfte bekämen. Deutschland benötige Handwerker und Pfleger. Allerdings müsse sich der Staat stärker um Geflüchtete kümmern. Sie habe den Eindruck, dass es derzeit wieder mehr um Abschottung und Abschiebung gehe. Die Bundesregierung verfahre nach dem Motto „Die Leute werden schon irgendwann wieder weg sein“. Wenn Flüchtlinge jedoch die deutsche Sprache lernten und eine Ausbildung bekämen, hätten sie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Nötig sei zudem ein Einwanderungsgesetz, um Fachkräftelücken zu schließen. Integration sei eine anstrengende Aufgabe, die Zeit, Geld und Personal benötige, aber auch erfolgversprechend sei.

Das Verhältnis zu evangelikalen Christen

Göring-Eckardt äußerte sich auch zu ihrem Verhältnis zu theologisch konservativen Christen. Einige ihrer Freunde seien evangelikal: „Mich beeindrucken Menschen, die tief im Glauben verwurzelt sind. Bei ihnen erlebe ich häufig eine sehr große Zugewandtheit und Menschlichkeit, zum Beispiel bei der Betreuung von Flüchtlingen.“ Mit solchen Menschen arbeite sie gerne zusammen. Kritisch sei sie jedoch, wenn Toleranz nur von anderen eingefordert, aber selbst nicht gelebt werde. Göring-Eckardt gehört seit 2009 der EKD-Synode an, deren Präses sie von 2009 bis 2013 war.

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