Montag • 25. März
Daniel Böcking
06. März 2019

Ein Muslim als CDU-Kanzler? Debatte um Brinkhaus-Äußerungen

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, im idea-Interview. Foto: idea/m.pletz
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, im idea-Interview. Foto: idea/m.pletz

Berlin (idea) – Äußerungen des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea haben eine Debatte ausgelöst. Der Politiker hatte auf die Frage, ob ein Muslim für die CDU 2030 Bundeskanzler werden kann, geantwortet: „Warum nicht, wenn er ein guter Politiker ist und er unsere Werte und politischen Ansichten vertritt.“ Der stellvertretende Chefredakteur von bild.de, Daniel Böcking, kritisiert die Aussagen des Fraktionschefs in einem Kommentar: „Was Brinkhaus da macht, ist anbiedernd. Die simple Rechnung: Immer weniger Deutsche bekennen sich zum christlichen Glauben, also muss das C in der CDU auch immer unwichtiger werden. Es wird zur Altlast. Man will ja möglichst viele Wähler.“ Eine solche Haltung ist laut Böcking aber nicht tolerant anderen Religionen gegenüber, sondern „rückgratlos“. Die gern zitierten christlichen Werte umfassten nicht nur Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Respekt vor Andersgläubigen, sondern auch die Treue zum eigenen Glauben.

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Ein Moslem kann nur CDU-Kanzler sein, wenn die Partei das C aus dem Namen streicht

Zur Frage, ob ein Moslem eines Tages Kanzler in Deutschland werden kann, schreibt Böcking: Selbstverständlich, wenn er oder sie die demokratische Mehrheit bekommt. Aber ein Moslem könne 2030 nur dann CDU-Kanzler sein, „wenn die CDU das C aus ihrem Namen streicht“. Böcking fragt auch, ob ein Christ als Kanzler in einer islamischen Partei vorstellbar wäre: „Das haut nicht hin, weil auch ‚islamisch‘ mehr bedeutet als eine grobe Werte-Orientierung. Die meisten Moslems stünden froh und frei zu ihrem Glauben und ließen sich da nicht verbiegen. Für sie sei „muslimisch“ kein nebensächlicher Werte-Brei, sondern wichtig: „Und deshalb sollte es auch keinen Moslem beleidigen, wenn die CDU keinen muslimischen CDU-Kanzler gutheißen würde.“ Wenig begeistert über die Brinkhaus-Äußerungen zeigte sich auch ein nicht namentlich genannter CSU-Staatssekretär eines Bundesministers. „Das ist jetzt ganz bestimmt kein Thema“, sagte er gegenüber „Bild“.

Niedersächsischer Fraktionschef: „Wir sollten die Moschee im Dorf lassen“

Dagegen stellte sich der Vorsitzende der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Dirk Toepffer, hinter Brinkhaus. Bevor jetzt alle auf die Barrikaden gingen und über Brinkhaus herfielen, „sollten wir seine Aussage mit der nötigen Gelassenheit sowie Ehrlichkeit betrachten und die Moschee im Dorf lassen“. Muslime könnten Mitglied der CDU werden. Toepffer: „Wenn sie oder er sich zu unseren Werten bekennt, also die freiheitlich-demokratische Grundordnung anerkennt, kann natürlich auch ein Muslim oder eine Muslima Kanzlerin werden.“

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