Montag • 15. Juli
EAK-Chef Rachel
19. Juni 2019

Videotitel „Die Zerstörung der CDU“ ist skandalös

Der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel. Foto: idea/Wolfgang Köbke
Der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel. Foto: idea/Wolfgang Köbke

Dortmund (idea) – Scharfe Kritik an dem Videotitel „Die Zerstörung der CDU“ des Musikers und Komikers „Rezo“ (Aachen) hat der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU, der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel (Düren), geübt. Er sprach bei der EAK-Bundestagung anlässlich des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags am 19. Juni in Dortmund. Das am 18. Mai veröffentlichte Video ist bislang über 17 Millionen Mal angeschaut worden. Rezo übt darin Grundsatzkritik an der Wirtschafts-, Steuer,- Sozial-, Klima- und Außenpolitik der CDU und teilweise auch der SPD. Es sei skandalös, dass bislang kein Journalist den Titel und den Aufruf, eine Partei zu zerstören, aufgegriffen habe, so Rachel. Das könne nicht unwidersprochen bleiben. Inhaltliche Kritik zu üben sei eine Selbstverständlichkeit, aber diese Art und Weise sei nicht in Ordnung: „Wenn andere das nicht ansprechen, machen wir das eben als Evangelischer Arbeitskreis.“ Er könne sich nicht erinnern, dass es jemals mit einer solchen Medienmacht einen derartigen Angriff gegen eine demokratisch gewählte Partei gegeben habe, die in der Mitte stehe und in der sich Hunderttausende Mitglieder ehrenamtlich vor Ort engagierten.

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„Ich frage mich: Spinnen wir jetzt total?“

Wie er weiter sagte, gibt es häufig keinen echten Austausch von Argumenten mehr. Dass populistische Parolen, öffentliche Anprangerungen und Beleidigungen nun auch mitten in der Gesellschaft gesagt und platziert würden, beunruhige ihn zutiefst. Ebenso sehe er manche Entwicklungen und Aussagen in anderen Parteien kritisch, etwa beim Thema Gendergerechtigkeit. Zum Hintergrund: Das Bundesfamilienministerium unter der Leitung von Franziska Giffey (SPD) hatte Schulen und Lehrern empfohlen, sexuelle Vielfalt in der Schule anzuerkennen und zu unterstützen. Eine Möglichkeit sei, in Formularen die Bezeichnungen „Elternteil 1“ und „Elternteil 2“ statt „Vater“ und „Mutter“ verwenden, heißt es in einem Beitrag auf dem von dem Ministerium verantworteten Internetangebot Regenbogenportal.de. Dazu Rachel: „Ich frage mich: Spinnen wir jetzt total?“. Der CDU-Politiker ging auch auf die mutmaßlich rechtsextrem motivierte Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) ein. Er habe das Verbrechen mit großer Erschütterung wahrgenommen. Lübcke sei ein engagierter Christ gewesen und im EAK der CDU engagiert gewesen: „Er war einer von uns. Dieses Verbrechen ist unfassbar.“

Bischof Hein: Die Würde des Menschen ist auch im Netz unantastbar

In einer anschließenden Podiumsdiskussion sagte der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein (Kassel), er sei persönlich mit Lübcke verbunden gewesen. Er kritisierte die Häme, mit der im Internet der Tod kommentiert worden sei. Die Würde eines Menschen müsse auch im Netz unantastbar sein: „Was die Familie lesen musste, das ist schlichtweg abscheulich.“ Lübcke habe sich stark für die Aufnahme von Flüchtlingen eingesetzt. Er habe gemeinsam mit Lübcke, so Hein, drei Flüchtlingseinrichtungen in Nordhessen besucht. Der Politiker sei überzeugt gewesen, dass die Aufnahme von Flüchtlingen gemäß christlichen Werten eine Aufgabe sei, „der wir uns stellen müssen und können“.

de Maizière: Nicht alle AfD-Wähler als Populisten bezeichnen

Der frühere Bundesminister und engagierte Christ Thomas de Maizière (CDU) sagte, dass es gut sei, wenn öffentlich gestritten werde. Aber der Ton müsse beim Ringen um die Lösungen stimmen. Er warnte davor, jeden AfD-Wähler als Populisten anzusehen. Es sei nicht hilfreich, alle zu stigmatisieren. Er riet beim Umgang mit der Ermordung von Lübcke zur Vorsicht. Es gebe einen Tatverdächtigen, der in U-Haft sitze: „In anderen Fällen sagen wir sehr schnell: Es gibt eine Unschuldsvermutung. Ich wäre ein Hauch vorsichtiger in der Formulierung.“ Er frage sich, was die Populisten aus der Debatte der vergangenen zwei Wochen machen würden, wenn der Täter einen ganz anderen Hintergrund hätte. Die Bundestagung des EAK steht unter dem Titel „Zusammenhalt stärken und Gemeinschaft schützen – Verantwortliche Politik in Zeiten von Populismus und Demokratieverdrossenheit“. Rachel, der auch Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, wurde auf der Tagung zum neunten Mal in Folge als EAK-Bundesvorsitzender wiedergewählt. Er erhielt 95,4 Prozent der Delegiertenstimmen.

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