Samstag • 21. April
Christine Buchholz
10. April 2018

„Die Linke“: Die Kirchen sollten keine Sonderrechte haben

Die religionspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion „Die Linke“, Christine Buchholz. Foto: idea/Darshana Borges
Die religionspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion „Die Linke“, Christine Buchholz. Foto: idea/Darshana Borges

Wetzlar (idea) – Die Kirchen sollten keine Sonderrechte haben. Diese Ansicht vertritt die religionspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion „Die Linke“, Christine Buchholz (Offenbach), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Ihr zufolge ist ein kirchliches „Sonderarbeitsrecht“ überholt. Die Kirchen hätten in der Vergangenheit eine dominante Rolle gespielt. Die Gesellschaft werde jedoch säkularer und multireligiöser. Deshalb müsse auch das bisherige Religionsverfassungsrecht auf einen neuen Stand gebracht werden. So sei es an der Zeit, die Staatsleistungen an die Kirchen abzulösen. Diese Zahlungen würden von vielen Menschen als ungerecht empfunden. Buchholz sprach sich dafür aus, eine Kommission unter Beteiligung von kirchlichen und staatlichen Vertretern einzusetzen, die nach einer finanzierbaren Regelung suchen soll. Ein entsprechender Antrag der Bundestagsfraktion der Linkspartei war im Jahr 2017 von einer Mehrheit von CDU/CSU und SPD abgelehnt worden.

ANZEIGE

Religionsunterricht durch Ethikunterricht ersetzen

Ferner sprach sich Buchholz dafür aus, den Religionsunterricht durch einen Ethikunterricht zu ersetzen. Ziel sei ein gemeinsamer Unterricht für alle, in dem die Kenntnisse über Religionen genauso vermittelt werden wie weltanschauliche Traditionen. Momentan sei der konfessionsgebundene Religionsunterricht durch das Grundgesetz geschützt. Dies sei ein Beispiel für die Privilegien der Kirchen. So lange diese Regelung gelte, solle der Religionsunterricht auch für jüdische, islamische oder humanistische Gemeinschaften offenstehen. Kritik übte Buchholz auch an der Militärseelsorge der Kirchen. Die „Verquickung“ von Armee und Kirche sei falsch, da sie zu einer kirchlichen Legitimation der Bundeswehr führe. Sie solle durch eine Soldatenseelsorge ersetzt werden, an der sich alle Religionen und Weltanschauungen beteiligen können.

„Die Linke“ stimmt mit Kirchen in der Flüchtlingspolitik überein

Nach Worten von Buchholz stimmt ihre Partei in vielen Fragen mit den Kirchen überein, etwa beim Engagement für Flüchtlinge oder beim Kampf gegen die zunehmende Armut. So spiele Papst Franziskus in der Sozialpolitik eine sehr positive Rolle. Religion könne zwar eine Möglichkeit sein, vor den Realitäten zu fliehen, aber auch eine Inspiration dafür sein, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern. Buchholz ist konfessionslos und seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. idea veröffentlicht eine Interviewreihe mit den kirchen- bzw. religionspolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktionen. Den Anfang machte Stefan Ruppert (Oberursel bei Frankfurt am Main) von der FDP (idea-Pressedienst vom 4. April).

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser fünf Tage kommentiert werden.

34 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • 70 Jahre Israel Wie ein Staat die Welt verändert
  • Konstantin von Notz „Ich finde es richtig, dass die Kirchen sich auch politisch positionieren“
  • Pro & Kontra Alle in der Gemeinde gleich duzen?
  • CVJM „Wir wollen Jugendliche mit Jesus in Kontakt bringen“
  • Lebensstil Der Müllmann Gottes
  • mehr ...
ANZEIGE