Donnerstag • 18. Oktober
Jair Bolsonaro
08. Oktober 2018

Brasilien: Kandidat der Freikirchen liegt bei Präsidentenwahl vorne

Als Politiker wird Jair Bolsonaro dem rechtskonservativen Spektrum zugeordnet. Foto: picture-alliance/AP Photo
Als Politiker wird Jair Bolsonaro dem rechtskonservativen Spektrum zugeordnet. Foto: picture-alliance/AP Photo

Brasilia (idea) – Der von Freikirchen unterstützte Kandidat Jair Bolsonaro könnte der nächste Präsident Brasiliens werden. Der 63-Jährige hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl gewonnen, die am 7. Oktober stattfand. Er erhielt 46 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sein schärfster Konkurrent, Fernando Haddad von der sozialistischen Arbeiterpartei, erreichte 29 Prozent. Als Bestplatzierte treten die beiden am 28. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an. Bolsonaro warb im Wahlkampf mit dem Motto „Brasilien über alles, und Gott über allen“. Damit spreche er in dem stark evangelikal geprägten Land viele Menschen an, schreibt die Tageszeitung „Die Welt“. Die Unterstützung der Freikirchen „mit all ihren Netzwerken bis hin zu ihren eigenen TV-Sendern“ sei ihm deshalb sicher. Bolsonaro ist Mitglied der katholischen Kirche, pflegt aber enge Beziehungen zu evangelikalen Gemeinschaften. Seine Ehefrau gehört einer baptistischen Freikirche an, die der Kandidat zehn Jahre lang selbst besucht hat. 2016 ließ er sich von dem Pastor einer Pfingstgemeinde taufen.

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Einzige Alternative zur Herrschaft der sozialistischen Arbeiterpartei

Als Politiker wird Bolsonaro dem rechtskonservativen Spektrum zugeordnet. Er hat angekündigt, im Falle seines Sieges die stark gestiegene Kriminalität im Land kompromisslos zu bekämpfen. Der ehemalige Fallschirmjäger will außerdem die Waffengesetze lockern und die Todesstrafe wieder einführen. Dem Kandidaten wird von Kritikern vorgeworfen, homophob und frauenfeindlich zu sein. So hatte er erklärt, er wolle „lieber einen toten als einen schwulen Sohn“ haben, berichtete „Die Welt“. Einer „politischen Feindin“ habe er gesagt, sie sei zu hässlich, um vergewaltigt zu werden. Bolsonaro werde von vielen evangelikalen Christen in Brasilien unterstützt, aber auch kritisch gesehen, erklärte der Leiter der Lutherischen Theologischen Fakultät der Gnadauer Brasilien-Mission, Claus Schwambach (Sao Bento do Sul im südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina) gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Seine öffentlichen Auftritte seien „doch hin und wieder grotesk“, weil er sich nicht um politische Korrektheit schere. Andererseits trete er offen für christliche Werte wie den Schutz ungeborener Kinder ein. Viele konservative Christen sähen in ihm auch die einzige Chance, eine erneute Machtübernahme der sozialistischen Arbeiterpartei zu verhindern. Sie hatte das Land von 2002 bis 2016 regiert und ist in viele Korruptionsskandale verstrickt. 123 Millionen der 207 Millionen Einwohner des südamerikanischen Landes sind römisch-katholisch. Brasilien ist damit das Land mit den meisten Katholiken weltweit. Allerdings sinkt ihre Zahl, während die der Protestanten steigt. Allein 42 Millionen gehören zu evangelikalen Kirchen. Unter ihnen bilden die Pfingstkirchen mit 27 Millionen Mitgliedern die größte Gruppe.

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