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11.01.2013

Pfarrhaus für homosexuelle Partner öffnen?

Chemnitz (idea) – Auf große Resonanz ist eine Podiumsdiskussion in Sachsen zu der Frage gestoßen, ob man das Pfarrhaus für homosexuelle Partnerschaften öffnen soll. Die Veranstaltung am 10. Januar in der Chemnitzer Johanniskirche war mit rund 500 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Diskussion stand unter dem Thema „Wie lesen wir die Bibel? Und welche Kirche wollen wir sein?“ Anlass ist die Entscheidung der sächsischen Kirchenleitung vom Januar 2012, dass homosexuelle Pfarrer und ihre Partner in seelsorgerlich begründeten Einzelfällen im Pfarrhaus zusammenleben dürfen. Das hatte zu einer breiten Debatte innerhalb der Landeskirche geführt und auch Widerstand hervorgerufen. Wie Landesbischof Jochen Bohl (Dresden) bei der Veranstaltung sagte, sei der Beschluss der Kirchenleitung durchaus „kritikfähig“. Er habe Verständnis dafür, dass nicht alle Mitglieder der Landeskirche glücklich damit seien. Umso wichtiger sei ihm das Gespräch. Denn das sei die einzige Möglichkeit, um angesichts unterschiedlicher Auffassungen, Frömmigkeitsprägungen und Lebenserfahrungen beieinander zu bleiben. Er wolle Aussagen von homosexuellen Christen ernst nehmen, die von sich sagen, Gott habe sie so geschaffen, so Bohl.

Präsident der Synode: Ich stehe hinter dem Beschluss

Synodenpräsident Otto Guse (Auerbach/Vogtland) sagte, er wünsche sich einen Gesprächsprozess, der von Wertschätzung geprägt sei. Dass das möglich sei, beweise seine eigene Ehe. So habe seine Frau die Erklärung der Sächsischen Bekenntnisinitiative unterzeichnet, die sie sich darin gegen den Kirchenleitungsbeschluss gewandt hatte. Zu der Interessengemeinschaft gehören 106 Kirchengemeinden, 253 Gemeinschaften, 32 Gruppen und Werke sowie 7.970 Einzelpersonen. Er selbst, so Guse, stehe hingegen hinter dem Beschluss, der nur folgerichtig sei. Denn die Ordination homosexueller Pfarrer sei vorher bereits möglich gewesen: „Es wäre doch unehrlich, wenn wir sagen, Homosexuelle dürfen zwar Pfarrer sein, aber nicht mit ihrem Partner im Pfarrhaus zusammenleben.“ Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz (Dresden) äußerte den Wunsch, dass sich Gegner und Befürworter des Beschlusses trotz unterschiedlicher Beurteilungen annehmen und mit Respekt begegnen: „Wir sollten einander sagen können: Ich glaube Dir Deinen Glauben.“

Evangelikaler: Beschluss vom Zeitgeist geleitet

Der frühere Vorsitzende der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung (GGE) in der evangelischen Kirche, der Chemnitzer Ruhestandpfarrer Dieter Keucher, kritisierte die Entscheidung der Kirchenleitung als vom Zeitgeist geleitet. Die biblischen Aussagen zu Homosexualität als nicht mehr zeitgemäß abzutun, sei verkehrt: „Wir haben nicht die Autorität, die Bibel beiseite zu schieben und anders zu entscheiden.“ Vorwürfe, dass Kritiker der Öffnung des Pfarrhauses für homosexuelle Partner nur einzelne Bibelstellen ernst nähmen, bezeichnete Keucher als „diffamierend“.

Der Kirchenleitung nicht alles durchgehen lassen

Auch Pfarrer Falk Klemm (Plauen) von der Sächsischen Bekenntnisinitiative plädierte dafür, die Bibel als Wort Gottes anzuerkennen. Sie sei mehr als nur ein Zeugnis dessen, was Menschen mit Gott erlebt haben. Mit Blick auf den Kirchenleitungsbeschluss sagte Klemm, es freue ihn, dass „die Sachsen der Kirchenleitung nicht einfach alles durchgehen lassen“. Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen eines von der Landessynode beschlossenen zweijährigen Gesprächsprozesses statt. Veranstaltet wurde sie von der sächsischen Kirchenzeitung „Der Sonntag“ (Leipzig). Weitere Podiumsdiskussionen finden im Januar und Februar in Leipzig, Plauen, Bautzen und Dresden statt.

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