09. Oktober 2019

Open Doors

Wenn konvertierten Flüchtlingen kein Glauben geschenkt wird

Ado Greve sprach vor einem Expertengremium des Europarats. Foto: Open Doors
Ado Greve sprach vor einem Expertengremium des Europarats. Foto: Open Doors

Straßburg (idea) – Der Pressesprecher des deutschen Zweigs des Hilfswerks „Open Doors“ (Kelkheim bei Frankfurt am Main), Ado Greve, hat bei einer Expertenanhörung des Europarats am 3. Oktober in Straßburg gesprochen. Dort präsentierte er den Parlamentariern des Komitees für Migration, Flüchtlinge und Vertriebene eine 2016 erstellte Untersuchung zum Thema „Mangelnder Schutz religiöser Minderheiten in Deutschland“.

Wie Greve der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, waren Berichte von Betroffenen der Anlass für die Studie: „Als 2015 und 2016 Hunderttausende Flüchtlinge als Asylbewerber nach Deutschland kamen, leisteten Christen aus vielen Kirchengemeinden umfangreich Hilfe.“ Doch schon nach kurzer Zeit hätten sie „Open Doors“ über Übergriffe gegen christliche und jesidische Flüchtlinge in den Unterkünften informiert. Die Betroffenen selbst hätten bei staatlichen Stellen um Hilfe gebeten, aber kein Gehör gefunden: „Behörden, Sicherheitskräfte und Heimbetreiber glaubten den Berichten in vielen Fällen nicht.“ Es sei vielmehr von Einzelfällen die Rede gewesen.

Open-Doors-Studie: 83 Prozent der christlichen Flüchtlinge berichteten von Gewalterfahrungen

Daraufhin habe „Open Doors Deutschland“ in Zusammenarbeit mit anderen christlichen Hilfswerken und Nichtregierungsorganisationen von Februar bis September 2016 Interviews mit christlichen Flüchtlingen geführt. 83 Prozent der befragten 743 Personen hätten angegeben, wegen ihres christlichen Glaubens bereits mehrfach Opfer von Gewalt in ihren Unterkünften geworden zu sein – ausgeübt von anderen Flüchtlingen oder Mitarbeitern der Sicherheitsdienste. Greve: „314 der interviewten Personen hatten sogar Todesdrohungen erhalten.“

Komitee will einen Maßnahmenkatalog entwickeln

Der Europarat, der keine Gesetze erlassen kann, ist eine von der Europäischen Union (EU) unabhängige Organisation für Menschenrechte, dem heute 47 Staaten angehören. Neben dem Ministerkomitee, in dem die Außenminister der Mitgliedsstaaten beraten, gibt es eine Parlamentarische Versammlung, in der Abgeordnete aus den nationalen Parlamenten der Mitgliedsstaaten zusammenkommen. Letztere arbeiten in acht Ständigen Ausschüssen (Komitees) zusammen.

Greve zufolge will das Komitee für Migration, Flüchtlinge und Vertriebene nun einen Maßnahmenkatalog erarbeiten, um den Schutz religiöser Minderheiten in Flüchtlingsunterkünften in Europa sicherzustellen. Die nationalen Regierungen seien angehalten, diese Maßnahmen umzusetzen. Nach den Worten von Greve hätten viele Übergriffe vermieden werden können, wenn die Behörden den Betroffenen geglaubt hätten. Besonders alarmierend sei die aktuelle Entwicklung. Denn erneut erlebten zum Christentum konvertierte Muslime, die in landes- und freikirchlichen Gemeinden eine geistliche Heimat gefunden haben, dass man ihnen nicht glaube.

Greve: „Ihr Glaubenswechsel wird in Hunderten von Fällen von den Behörden als ‚nicht ernsthaft’ bezeichnet.“ Deshalb drohe vielen die Abschiebung in Länder, in denen Christen wegen ihres Glaubens schwer verfolgt werden. Hier seien aktuell dringend Maßnahmen der Bundesregierung zum Schutz religiöser Minderheiten und besonders von Konvertiten notwendig.