10. Oktober 2018

idea-Umfrage

„Unsere christlichen Werte sind der beste Kompass“

Eine Reihe bekennender Christen kandidieren für den bayerischen Landtag. Das ergab eine idea-Umfrage. Foto: pixabay.com
Eine Reihe bekennender Christen kandidieren für den bayerischen Landtag. Das ergab eine idea-Umfrage. Foto: pixabay.com

München (idea) – Bei der bayerischen Landtagswahl am 14. Oktober kandidiert eine Reihe bekennender Christen und kirchlich engagierter Politiker. Das hat eine Umfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea ergeben. Auf Bitten von idea äußern sie sich über ihren Glauben und ihre Werte. Für den CSU-Generalsekretär Markus Blume (München) ist das „C“ im Parteinamen „sichtbarerer Ausdruck unseres Menschenbildes“. Es begreife den Einzelnen als Geschöpf Gottes. Blume: „Für mich ist das daraus folgende Ringen um eine Politik aus christlicher Verantwortung aktueller denn je: Soziale, kulturell-identitäre und ökonomische Ängste fordern den Zusammenhalt heraus. Gerade jetzt braucht es einen Identitätsanker, der Halt gibt und eint. Unsere christlichen Werte sind der beste Kompass für ein gutes Zusammenleben.“

Barbara Becker (CSU): Segensreich für die Bürger wirken

Barbara Becker, CSU-Kandidatin im Wahlkreis Unterfranken, begleitet ihr Konfirmationsspruch „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ (1. Buch Mose 12,2) auch in ihrem politischen Engagement: „Als Jugendliche war ich Landes- und Bundesvorsitzende der Evangelischen Landjugend. Dort haben wir uns für einen lebenswerten ländlichen Raum eingesetzt. Bis heute ist das mein Kernthema. Keine Parolen brüllen, sondern segensreich wirken und Verantwortung tragen, das will ich für die Bürgerinnen und Bürger, die ich vertreten darf.“

Markus Rinderspacher (SPD): Mein Konfirmationsspruch gibt mir Halt

Auch für den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Markus Rinderspacher (Wahlkreis Oberbayern), hat sein Konfirmationsspruch „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geiste“ (Römer 14,17) große Bedeutung: „Er gibt mir Halt in schwierigen Zeiten und Orientierung für mein politisch-gesellschaftliches Engagement.“ Gesellschaftlicher Frieden sei ohne ein erkennbares Streben nach Gerechtigkeit dauerhaft nicht herstellbar. Die Kirchen leisteten einen besonderen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander, weit über den geistigen und spirituellen Horizont hinaus. Wichtige Stützpfeiler gesellschaftlicher Solidarität würden ohne den Beitrag der Kirchen als Akteure der Zivilgesellschaft regelrecht wegbrechen, so Rinderspacher, der der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern angehört: „Als Vertreter in Kirchenparlament und Landesparlament versuche ich, diesen Akkord in ein harmonisches Klangbild zu bringen.“

Diana Stachowitz (SPD): Jesus Christus ist mein Kompass

Die SPD-Abgeordnete Diana Stachowitz (München) vom Arbeitskreis „Christen in der SPD“ sagt: „Als praktizierende evangelisch-lutherische Christin fließt mein Glaube in meinen Alltag und damit natürlich auch in meine politischen Entscheidungen ein.“ So be- oder verurteile sie niemanden aufgrund seiner Andersartigkeit. „Ehrlichkeit, Offenheit und Fairness sind für mich selbstverständlich, auch im Umgang mit politischen Gegnern.“ Jesus Christus sei ihr Kompass: „An ihm orientiere ich mich in meiner Haltung.“ Als Vorstandsvorsitzende des „Forums Kirche und SPD“ bringe sie regelmäßig kirchlich engagierte Menschen und Politiker ins Gespräch zu aktuellen gesellschaftlichen und kirchlichen Themen. So dürfe man Behinderung und Tod nicht verdrängen: „Daher setze ich mich für Inklusion und Ausbau von Palliativmedizin ein.“

Claudia Köhler (Grüne): Der Glaube ist Ansporn für mein Leben

Claudia Köhler (Bündnis 90/Die Grünen) kandidiert im Wahlkreis München-Nord. Sie ist nach eigenen Angaben seit ihrer Konfirmation in der Landeskirche aktiv. Sie war 30 Jahre lang als Kirchenpflegerin ehrenamtlich tätig, zeitweise auch als Kirchenvorsteherin. Köhler: „Ich besuche nicht jeden Sonntag die Kirche, aber mein Glaube an Gott ist mir Halt, Stütze und Ansporn für mein Leben. Jesus und sein Leben ist für mich Vorbild für meine Lebensführung.“ Zentral dabei seien „sein Gebot der Nächstenliebe und sein Kampf gegen die tote Gesetzesfrömmigkeit der Schriftgelehrten“. Ganz praktisch erlebe sie die Gemeinschaft unter Christen momentan im Wahlkampf. Viele in der Kirche „helfen mir, verteilen meine Flyer und hängen Plakate auf“. Erna-Kathrein Groll kandidiert in Kempten ebenfalls für die Grünen. Sie ist Landesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung Bayern (KAB). Für sie spielt der Glaube in ihrem Leben „eine entscheidende Rolle“. Er gebe ihr die Freiheit, sich für eine gerechte, soziale Gesellschaft sowie für den Schutz der Natur und Umwelt einzusetzen – „egal, ob das auf dem ökumenischen Pilgerweg zur Klimakonferenz nach Paris oder in meinem politischen Engagement und der Kandidatur bei der Bayerischen Landtagswahl ist“.

Peter Bauer (Freie Wähler): Christliche Werte sind mir wichtig

Der Katholik Peter Bauer, Kandidat im Wahlkreis Mittelfranken für die Freien Wähler, bekennt: „Ich bin seit meiner Kindheit mit dem christlichen Glauben fest verbunden und damit aufgewachsen. Meine christlichen Grundlagen werde ich auch künftig in meinem politischen Leben nicht aufgeben. Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit, Toleranz, Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit und soziales Engagement waren mir in meinem Beruf als Mediziner wichtige Werte, und dies ist auch heute in der Politik so.“ Er bedauere es sehr, dass diese Werte in der heutigen Gesellschaft stark an Bedeutung verloren hätten.

Wolfgang Rotter (AfD): Gebot „Du sollst kein falsches Zeugnis reden ...“ beachten

Der AfD-Landtagskandidat für Schwaben, Wolfgang Rotter (Marktoberdorf), erklärt: „Als praktizierender Christ sehe ich die Werte, die uns durch die Heiligen Schriften vermittelt werden, in Politik und Gesellschaft vernachlässigt.“ Wichtige Werte seien zum Beispiel Ehrlichkeit oder das Gebot „Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten“: „Allein diese beiden Werte, wenn sie denn in unserer christlichen Gesellschaft wirklich gelebt würden, hätten ein glücklicheres, zufriedeneres und sichereres Zusammenleben zur Folge.“

Oswald Greim (Die Linke): Die Mächtigen vom Thron stürzen

Oswald Greim vom Landesvorstand der Partei „Die Linke“ kandidiert im Wahlkreis Oberfranken. Er verweist ebenfalls auf eine biblische Aussage: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“ (Matthäus 7,21). Für die Linke bedeute dies: „Wir setzen uns nachweislich dafür ein, die Mächtigen vom Thron zu stürzen und die Niedrigen zu erhöhen sowie die Reichen leer ausgehen zu lassen (Magnifikat), und dass zum Beispiel die himmelschreiende Ungerechtigkeit der vorenthaltenen Löhne (Jakobusbrief) schon auf Erden beseitigt wird.“