10. September 2019

Ethik

Mediziner Prof. Nagel schlägt Geistliche als Suizidhelfer vor

Der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Medizinmanagement an der Universität Bayreuth, Prof. Eckhard Nagel. Foto: Andre Zelck
Der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Medizinmanagement an der Universität Bayreuth, Prof. Eckhard Nagel. Foto: Andre Zelck

Hamburg (idea) – Der Mediziner Prof. Eckhard Nagel (Bayreuth) hat Geistliche und Juristen als mögliche Berufsgruppen vorgeschlagen, die Sterbewilligen beim Suizid assistieren. Zugleich lehnt er eine Mitwirkung von Ärzten entschieden ab. Sie seien dem Lebenserhalt verpflichtet. „Dass Tötungsdelikte Teil des ärztlichen Behandlungsauftrags werden sollen, halte ich für völlig irre und eine grauenhafte Vorstellung“, sagte er in einem Interview mit dem ökumenischen Verein „Andere Zeiten“ (Hamburg). Es ist in einem Themenheft der Organisation zum Thema Tod, Trauer und Trost enthalten. Nagel zum assistierten Suizid: „Wenn es aber eine Berufsgruppe dafür geben soll, warum nicht die Pfarrerinnen und Pfarrer? Die waren geschichtlich gesehen schon immer zuständig für das Geleit über die irdische Lebensschwelle hinweg. Oder warum nicht die Juristen, die Richterinnen und Richter, die auch ansonsten in strittigen Fragen über Weiterbehandlung oder Behandlungsstopp mitentscheiden sollen?“ Nagel ist Professor für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften in Bayreuth. Von 2008 bis 2016 war er Mitglied des Deutschen Ethikrates, 2010 evangelischer Präsident des Ökumenischen Kirchentages in München. Bei einem assistierten Suizid nimmt der Sterbewillige selbstständig eine Substanz zur Selbsttötung ein, die ihm von einer anderen Person zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurde. In Deutschland ist die Beihilfe zur Selbsttötung grundsätzlich nicht strafbar, außer im Falle einer geschäftsmäßigen Förderung (Paragraf 217 StGB).

Pfarrerverband lehnt Vorschlag ab: Sind Geistliche nicht dem Leben verpflichtet?

Der Vorsitzende des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland, Pfarrer Andreas Kahnt (Westerstede), weist den Vorschlag von Nagel zurück. „Es gibt keine Berufsgruppe, der die Legitimation zum assistierten Suizid aufgebürdet werden darf“, erklärte der Theologe auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Kahnt nennt es berechtigt, dass Nagel eine ärztliche Beihilfe zum Suizid ablehnt. „Erstaunlich“ sei jedoch, dass er dafür zugleich Pfarrer vorschlage: „Sind sie denn nicht dem Leben verpflichtet, wenngleich weit über die Dimension der Medizin hinaus?“.