13. Februar 2020

Christliches Menschenbild

Lebensrechtlerin Löhr kritisiert Umgang mit der WerteUnion

Die Bundesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), Mechthild Löhr. Foto: Privat
Die Bundesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), Mechthild Löhr. Foto: Privat

Glashütten/Berlin (idea) – Die Bundesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL), Mechthild Löhr (Glashütten/Taunus), hat Vertretern der Unionsparteien in ihrem Umgang mit der WerteUnion „verbale Entgleisungen“ und einen Verrat des christlichen Menschenbildes vorgeworfen.

Der CDU-Politiker Elmar Brok – er saß von 1980 bis 2019 im EU-Parlament – etwa hatte die WerteUnion mit einem „Krebsgeschwür“ verglichen. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) nannte ein Bekenntnis zu der Gruppierung „eine Beleidigung für alle CDU-Mitglieder“. Der Stellvertretende Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, schlug einen Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU gegen die Mitglieder der WerteUnion vor. Dem ehemaligen Generalsekretär der Union, Ruprecht Polenz, zufolge verhält sich die Gruppierung „organisiert parteischädigend“.

Löhr schreibt in ihrem von der CDL-Bundesgeschäftsstelle verschickten Kommentar, dass sich die Mitglieder der WerteUnion für eine werteorientierte Politik einsetzten. Der Zusammenschluss bestehe zum größten Teil aus jüngeren Mitgliedern der CDU/CSU, die die konservativen Wurzeln der Partei wieder sichtbarer machen wollten.

Bezeichnung „Krebsgeschwür“ vermittelt Hassgefühle

Die WerteUnion zeige eine innerhalb der CDU „mittlerweile leider ungewohnt lebendige Kommunikationskultur“. In ihr seien bürgerlich Konservative aus der Mitte der Gesellschaft und keine rechten „Extremisten” aktiv. Ein nun öffentlich angedrohter Unvereinbarkeitsbeschluss würde sie und auch große Teile der Unionswählerschaft verprellen.

Wer zudem Menschen und Vereinigungen als „Krebsgeschwür” bezeichne, vermittle Hassgefühle, verrate das christliche Menschenbild und zeige „mit derart bösen und unmenschlichen Vergleichen, dass er um des bloßen Machterhaltes willen offenbar bereit ist, die politische Kultur in diesem Land zutiefst zu schädigen“.

Die 2017 gegründete WerteUnion ist ein eingetragener Verein und bezeichnet sich selbst als die „konservative Basisbewegung und am schnellsten wachsende Gruppierung innerhalb der CDU/CSU“. Sie hat nach eigenen Angaben knapp 4.000 Mitglieder.

FDP-Politiker Kemmerich von „antifaschistischen linken Kräften“ bedroht

Zu dem Wahlergebnis in Thüringen – im dritten Wahlgang war der FDP-Kandidat Thomas Kemmerich mit den Stimmen von FDP, CDU und AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden – schreibt Löhr, dass „besonders besorgniserregend“ sei, was sich nach dieser Wahl abgespielt habe.

Der bereits wieder zurückgetretene Ministerpräsident Kemmerich, seine Ehefrau und die sechs Kinder würden „offensichtlich von sogenannten antifaschistischen linken Kräften“ bedroht. Ferner werde die gesamte FDP mit tätlichen und verbalen Attacken überzogen: „Dies zeigt eine neue Eskalationsstufe von Gewalt und Demokratiefeindlichkeit seitens der Linken, die sich weiter anschickt, Thüringen mit einer Minderheitsregierung regieren zu wollen.“ Die immer gewalttätigeren Attacken kämen nicht von rechts, sondern aus dem linksextremistischen Lager, „mit dem die Linkspartei seit langem ganz offen paktiert“.

Entlassung des Ostbeauftragten Hirte: Rigoroses Durchgreifen an falscher Stelle

Ferner kritisiert Löhr die Entlassung des Ostbeauftragten der Bundesregierung Christian Hirte (CDU). Der 43-Jährige war auf Druck von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zurückgetreten und ist nun auch nicht mehr Parlamentarischer Staatsekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Hirte – er ist bekennender Katholik und auch bei den „Christdemokraten für das Leben“ engagiert – hatte Kemmerich nach der Wahl in einem Tweet gratuliert: „Deine Wahl als Kandidat der Mitte zeigt noch einmal, dass die Thüringer Rot-Rot-Grün abgewählt haben.“ Hirte sei für die Fehlentwicklung in Thüringen nicht verantwortlich, betont Löhr. Mit dieser öffentlichen Degradierung sollte ihr zufolge bewusst auch die Thüringer CDU abgestraft werden: „Dieses rigorose Durchgreifen an falscher Stelle mutet wie reine und vor allem um wohlfeilen öffentlichen Beifall heischende Willkür an.“

Die „Christdemokraten für das Leben“ setzen sich gegen Abtreibungen und aktive Sterbehilfe ein sowie für den Schutz von Familien. Zu den rund 5.000 Mitgliedern zählen unter anderen Bundestags-, Landtags- und Europaabgeordnete sowie Kommunalpolitiker.