11. Oktober 2018

Vorwurf Sektierertum

Kontroverse um das „Mission Manifest“

Die Sozialethikerin Prof. Ursula Nothelle-Wildfeuer. Foto: Universität Freiburg
Die Sozialethikerin Prof. Ursula Nothelle-Wildfeuer. Foto: Universität Freiburg

Augsburg/Freiburg (idea) – Einer der Initiatoren des „Mission Manifests“, der katholische Theologe Johannes Hartl (Augsburg), hat Kritik an dem Papier zurückgewiesen. Es war im Januar auf der charismatisch orientierten Glaubenskonferenz „MEHR“ vorgestellt worden. Fast 4.000 Personen haben es bisher unterzeichnet. Dem Manifest zufolge ist Mission das Gebot der Stunde. Sie müsse angesichts der „Erosion des Glaubens“ wieder „Priorität Nummer 1“ werden. Scharfe Kritik an der Erklärung übte die Sozialethikerin Prof. Ursula Nothelle-Wildfeuer (Freiburg). In einem Interview mit katholisch.de vertrat sie die Ansicht, „dass das ‚Mission Manifest‘ die Versektung und Evangelikalisierung der katholischen Kirche bedeutet“. Die sozial-karitative und auch gesellschaftlich-politische Seite fehle in dem Papier komplett. Darin werde propagiert, dass jeder, der Christ werden will, dazu ein einmaliges Glaubens- und Bekehrungserlebnis brauche; Taufe allein genüge nicht. „Damit wird ein Elitechristentum aufgemacht, und es werden die ausgeschlossen, die noch auf der Suche sind und zweifeln“, so Nothelle-Wildfeuer. Sie ist Professorin für Christliche Gesellschaftslehre an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität in Freiburg.

Hartl ist „verblüfft“, wie man aus dem Manifest Sektierertum herauslesen kann

Hartl – er leitet das Gebetshaus Augsburg – äußerte sich in einer Stellungnahme für die Evangelische Nachrichtenagentur idea zu den Vorwürfen. Nach seinen Worten legt das Manifest den Finger in eine Wunde. Das sozial-karitative Engagement der Kirchen im deutschsprachigen Raum sei personell und finanziell überaus professionell organisiert: „Das ist auch gut so.“ Dennoch gelinge es den Volkskirchen immer weniger, dem Glauben (noch) Fernstehende zu erreichen. Hartl: „Wir glauben, dass eine Priorisierung und Neufokussierung auf den evangelistischen Auftrag essenziell ist.“ Dafür brauche man viel Gebet und Zusammenarbeit von Christen unterschiedlicher Konfessionen. Es verblüffe ihn, so der Theologe, dass man aus diesem Anliegen Sektierertum und Elitedenken herauslesen könne. Den Initiatoren des Papiers liege es fern, den karitativen Aspekt des Glaubens abzuwerten oder zur kirchlichen Lagerbildung beizutragen. Professorin Nothelle-Wildfeuer unterstelle dem „Mission Manifest“ etwas, „was wir explizit ablehnen“.

Volkskirchliches Modell auf dem Weg in die Selbstauflösung

„Evangelikal“ und „freikirchlich“ seien Kategorien, die die Autorin offensichtlich in enger inhaltlicher Nähe zu Sektierertum und Fundamentalismus sehe. Hartl: „Ob dies oder die Verwendung verbaler Munition vom Kaliber ‚demagogisch‘ tatsächlich geeignet ist, einen positiven Diskurs anzustoßen, den Nothelle-Wildfeuer sich wünscht, steht auf einem anderen Blatt.“ Er unterstreicht ferner, dass die Verantwortlichen für das Manifest offen für Kritik und kontroverse Gespräche seien. Hartl zufolge ist das derzeitige volkskirchliche Modell mit großem Tempo auf den Weg in die Selbstauflösung“. Das sei „fast jedem klar, der Statistiken lesen kann“.