09. Juli 2019

Auszeichnung

Gießener Abtreibungsärztin Hänel mit „Marburger Leuchtfeuer“ geehrt

Die Gießener Ärztin Kristina Hänel vor dem Landgericht Gießen. Archivbild: idea/Erika Gitt
Die Gießener Ärztin Kristina Hänel vor dem Landgericht Gießen. Archivbild: idea/Erika Gitt

Marburg/Gießen (idea) – Auf Kritik von Lebensrechtlern und konservativen Politikern ist die Auszeichnung der Gießener Ärztin Kristina Hänel mit dem Preis „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“ am 9. Juli gestoßen. Die undotierte Auszeichnung verleihen die Humanistische Union und die Stadt Marburg. Zweite Preisträgerin neben Hänel ist die Marburger Sea-Watch-Ärztin Ruby Hartbrich. Sie war ehrenamtlich auf dem Mittelmeer an Bord eines Rettungsschiffes unterwegs, um schiffbrüchige Geflüchtete medizinisch zu versorgen. Wie die Stadt Marburg mitteilte, erhält Hänel den Preis für ihren Einsatz für einen freien Zugang zu Informationen über Schwangerschaftsabbrüche. Die Preisverleihung nahm der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) vor. Er hatte im Vorfeld erklärt, dass man zwei mutige Frauen auszeichne, „die ihren Dienst an der Gesundheit richtungsweisend und beispielgebend an moralischen und ethischen Grundsätzen ausrichten“. Der Vorsitzende der Humanistischen Union Marburg, Franz-Josef Hanke, äußerte sich in seiner Begrüßungsrede ähnlich. Hänel wolle keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche machen. Man ehre das Eintreten von zwei engagierten Frauen für Menschen in Notsituationen. Man wolle mit dem Preis Menschen stärken, die Haltung und Mut zeigten.

Lebensrechtler: Preisverleihung ist fragwürdig

Kritik an der Auszeichnung übte die „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA). Die Preisverleihung sei in hohem Maße fragwürdig, heißt es in einer Mitteilung. „Kann es ein Dienst an der Gesundheit sein, wenn bei den von Frau Hänel angebotenen ‚Behandlungen’ regelmäßig einer der beiden Patienten in ihrer Praxis stirbt?“, fragt die Lebensrechtsorganisation. Die ALfA-Vorsitzende Cornelia Kaminski (Köln) beklagt, dass Hänel sich nicht an wissenschaftlichen Fakten orientiere, wann ein neues Menschenleben beginne, sondern stattdessen „nach eigenem Gutdünken“ auf die Geburt verweise. Kaminski: „Sie dient mit dieser Sichtweise weder der Gesundheit, noch handelt sie beispielgebend nach moralischen und ethischen Grundsätzen.“ ALfA hat mehr als 11.000 Mitglieder und ist Mitglied im Bundesverband Lebensrecht (BVL).

CDU-Landtagsabgeordnete für Schutz des Lebens

Kritik kommt auch von den beiden mittelhessischen CDU-Landtagsabgeordneten Dirk Bamberger (Marburg) und Frank Steinraths (Wetzlar). „Das Wirken von Frau Hänel ist gesellschaftlich unter ethischen und moralischen Aspekten hoch umstritten“, so Steinraths. Bamberger hält fest: „Der Oberbürgermeister der Universitätsstadt Marburg trägt mit dieser Auszeichnung zur Polarisierung in einer Debatte bei.“ Beide wünschen sich „im Sinne der betroffenen Frauen und im Sinne des Schutzes ungeborenen Lebens eine Versachlichung der Debatte.“ Oberbürgermeister Spies verteidigte im Vorfeld die Nominierung: „Kristina Hänel hat mit ihrer Haltung das Thema der Selbstbestimmung von Frauen zurück in die breite gesellschaftliche Diskussion gebracht und rechtliche und gesellschaftliche Fortschritte entscheidend mit vorangebracht.“ Hänel war deutschlandweit bekanntgeworden, nachdem sie im November 2017 wegen unerlaubter Werbung für Abtreibungen auf der Internetseite ihrer Praxis von dem Amtsgericht Gießen zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro Strafe verurteilt worden war. Das Urteil war später vom Landgericht bestätigt worden. Inzwischen wurde es vom Oberlandesgericht Frankfurt am Main aufgehoben und muss nun vor dem Landgericht Gießen nochmals neu verhandelt werden. Das Gericht begründete die Entscheidung mit der neuen Gesetzeslage. Es lasse sich nicht ausschließen, dass die Änderung des Paragrafen 219a StGB (Werbeverbot für Abtreibung) zu einer günstigeren Bewertung für die Ärztin führen könnte.