Montag • 18. Juni
Warnung
10. Juni 2018

Ungewolltes Geschlecht: Werden deswegen mehr Embryos abgetrieben?

In Zukunft könnten Tests neben der Schwangerschaft auch das Geschlecht des Babys feststellen. Foto: pixabay.com
In Zukunft könnten Tests neben der Schwangerschaft auch das Geschlecht des Babys feststellen. Foto: pixabay.com

Frankfurt am Main (idea) – In Deutschland könnten künftig Abtreibungen zunehmen, wenn das Geschlecht des Kindes den Eltern nicht passt. Davor warnt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. In Deutschland ist eine Abtreibung in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen rechtswidrig, aber nach einer Beratung straffrei. Ärzten ist es gemäß Paragraf 15 des 2010 verabschiedeten Gendiagnostikgesetzes untersagt, vor diesem Stichtag das Geschlecht des Kindes mitzuteilen. Allerdings könnten, so die Sonntagszeitung, über das Internet ausländische Tests auch in Deutschland gekauft werden, mit denen künftige Eltern unabhängig von ärztlicher Kontrolle schon vor dem Stichtag das Geschlecht des Kindes herausfinden könnten. Es sei unklar, wie häufig dieses Tests hierzulande inzwischen genutzt würden.

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Bundesverband der Frauenärzte: Gefahr ist gering, aber nicht ausgeschlossen

Das US-Unternehmen „ABC Gene Tests“ etwa verkaufe seinen Test für umgerechnet rund 229 Euro. Er funktioniere ab der neunten Schwangerschaftswoche. Dafür gebe die Frau ein paar Tropfen Blut aus dem Finger auf einen Streifen. Er werde zurück an den Hersteller geschickt, der die DNA auf Y-Chromosomen überprüfe. Werde er fündig, müsse der Fötus männlich sein. Die Feststellung dauere rund fünf Tage, die Genauigkeit der Prognose liege nach Unternehmensangaben bei 98 Prozent. Paare hätten somit noch Zeit, innerhalb der deutschen Zwölf-Wochen-Frist den Fötus abzutreiben. Der Präsident des Bundesverbandes der Frauenärzte, Christian Albring (Hannover), schätzt die Gefahr laut der Sonntagszeitung „als gering, aber nicht ausgeschlossen“ ein. Er kenne Paare, die nach drei Mädchen so gerne einen Jungen hätten, dass sie eine Abtreibung vornehmen lassen würden, wenn auch der neue Fötus weiblich wäre: „In manchen Familien muss mindestens ein männlicher Thronfolger vorhanden sein.“

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