Dienstag • 13. November
Konstanz
15. Oktober 2018

Protestaktion gegen Kassenfinanzierung des „PraenaTests“

Lebensrechtler demonstrieren vor dem Gebäude der Firma LifeCodexx in Konstanz. Foto: CDL Bayern
Lebensrechtler demonstrieren vor dem Gebäude der Firma LifeCodexx in Konstanz. Foto: CDL Bayern

Konstanz (idea) – Gegen eine mögliche Kassenfinanzierung von vorgeburtlichen Bluttests, mit denen man bei ungeborenen Kindern eine Trisomie – zum Beispiel das Downsyndrom – feststellen kann, haben Lebensrechtler in Konstanz demonstriert. Unter den rund 100 Teilnehmern der Kundgebung vor dem Gebäude der Firma LifeCodexx – dem Marktführer bei vorgeburtlichen Gentests – waren auch einige Menschen mit dem Downsyndrom. Nach Angaben des Unternehmens haben fünf Jahre nach der Einführung des „PraenaTests“ im vergangenen Jahr über 80.000 Schwangere – davon rund 40.000 aus Deutschland – ihn genutzt. Schätzungen zufolge werden in Deutschland neun von zehn ungeborenen Kindern, bei denen das Downsyndrom festgestellt wird, im Mutterleib getötet. Im kommenden Jahr will der Gemeinsame Ausschuss von Bundestag und Bundesrat darüber entscheiden, ob die etwa 300 Euro teuren Tests, die bislang von den Eltern bezahlt werden müssen, von den Krankenkassen finanziert werden sollen. Lifecodexx bietet seit 2012 solche Tests an. Er gilt als unkompliziert – im Gegensatz zur invasiven (eindringenden) Fruchtwasseruntersuchung, die zu einer Fehlgeburt führen kann.

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Sich für die Würde jedes Menschen einsetzen

Veranstalter der Demonstration waren die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) und die Christdemokraten für das Leben (CDL). Der Landesvorsitzende der CDL Baden-Württemberg, Josef Dichgans (Überlingen am Bodensee), sagte, dass genetische Qualitätstests nicht Teil staatlicher Ordnung werden dürften. Der stellvertretende CDL-Vorsitzende, der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe (Werne), rief dazu auf, für die Würde jedes Menschen einzutreten. Menschen dürften nicht danach ausgewählt werden, ob sie behindert oder gesund seien. Der Kinderarzt am Uniklinikum Erlangen, Prof. Holm Schneider, kritisierte, dass die Aufklärung zu den vorgeburtlichen Gentests kaum Informationen darüber enthalte, „wie ein Leben mit Downsyndrom tatsächlich aussieht“: „Solche Tests bringen Frauen in die Bedrängnis, in der Frühschwangerschaft eine Entscheidung zu fällen, für die viele keine ausreichende Grundlage haben.“ Michaela Schatz, eine junge Frau mit Downsyndrom, bekannte: „Das Leben ist schön – und das gilt nicht nur für mich, sondern auch für andere Menschen mit Downsyndrom.“ Sie kritisierte, dass die meisten Kinder mit einer solchen Diagnose abgetrieben würden.

Ethikrat-Vorsitzender für Kostenübernahme durch die Krankenkassen

Unterdessen befürwortete der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Prof. Peter Dabrock (Erlangen), gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Blutuntersuchung auf das Downsyndrom künftig von den Krankenkassen finanzieren zu lassen: „Im tiefsten Innern wünschen sich doch alle Eltern gesunden Nachwuchs.“

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