Sonntag • 20. Oktober
Nordirak
20. September 2019

Christliche Grundschule und Bibliothek wiedereröffnet

Derzeit lernen wieder 130 Schüler in der christlichen Schule in Karakosch. Foto: Open Doors
Derzeit lernen wieder 130 Schüler in der christlichen Schule in Karakosch. Foto: Open Doors

Karakosch (idea) – In der nordirakischen Stadt Karakosch (Ninive-Ebene) sind zwei christliche Einrichtungen wiedereröffnet worden: eine Grundschule und eine Bibliothek. Das bestätigte der deutsche Zweig des Hilfswerks „Open Doors“ (Kelkheim bei Frankfurt am Main) gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) hatte die Schule vier Jahre zuvor eingenommen und zu einer Militärbasis umgewandelt. Sie war erst 2014 eröffnet worden. Durch die Invasion des IS flohen Tausende Christen aus Karakosch – der Stadt mit dem damals höchsten Anteil christlicher Bewohner in der Ninive-Ebene.

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Nach der Befreiung der Stadt im Jahr 2016 fanden die Bewohner die Schule zerstört und geplündert vor. Wie Open Doors berichtet, wurde in Kooperation mit anderen Organisationen sofort mit dem Wiederaufbau begonnen. Derzeit werden 130 Schüler in den renovierten Räumen unterrichtet. Der Schulleiter, Pater Ammar Siman, hofft, die Bildungseinrichtung im nächsten Jahr vergrößern und so auch Sekundarschüler aufzunehmen zu können. Schüler mit einer guten Ausbildung seien die künftigen Führungs- und Fachkräfte des Irak. „Deshalb müssen wir in die Bildung investieren“, so der Geistliche.

Bibliothek mit 650 Büchern

Eine christliche Bibliothek in Karakosch, die beim Angriff durch den IS teilweise zerstört worden war, hat ebenfalls wieder ihren Betrieb aufgenommen. Sie verfügt über rund 650 Bücher aus den Bereichen Religion, Wissenschaft, Politik und Kinderliteratur. Der für die Bibliothek zuständige syrisch-katholische Priester, Pater Duraid Barber, erinnert sich: „Als wir nach Karakosch zurückkehrten, war die Bibliothek teilweise verbrannt." Ein Großteil der Bücher sei entweder zerstört oder gestohlen worden. Christliche Jugendliche hätte dabei geholfen, die übrigen Exemplare zu bergen und zu reinigen. Außerdem hätten viele Geistliche und christliche Familien für den Wiederaufbau Bücher gespendet.

Die restaurierte Bibliothek ist Teil eines christlichen Zentrums für soziale und kulturelle Aktivitäten in der Stadt. Dort werden Seminare und Kunstausstellungen abgehalten, ebenso christliche Veranstaltungen. Nach Angaben der örtlichen Kirchen sind seit 2016 über 5.122 geflüchtete christliche Familien in die Region zurückgekehrt und haben mit dem Wiederaufbau ihrer Gemeinden begonnen.

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