Dienstag • 10. Dezember
Nigeria
11. November 2019

In manchen Regionen gibt es „eine Art Völkermord an Christen“

Der Kirchenpräsident der „Evangelical Church Winning all“ (ECWA) im nigerianischen Jos, Stephen Panya Baba. Foto: idea/Wolfgang Köbke
Der Kirchenpräsident der „Evangelical Church Winning all“ (ECWA) im nigerianischen Jos, Stephen Panya Baba. Foto: idea/Wolfgang Köbke

Schwäbisch Gmünd (idea) – In manchen Regionen Nigerias hat sich die Situation von Christen so sehr verschlechtert, dass man von „einer Art Völkermord an Christen“ sprechen kann. Diese Ansicht vertrat der Kirchenpräsident der „Evangelical Church Winning all“ (ECWA) im nigerianischen Jos, Stephen Panya Baba, am 10. November auf dem 6. ökumenischen Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd.

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Es gebe in dem Land nicht nur die Terrormiliz „Boko Haram“ (Westliche Bildung ist Sünde), sondern auch extremistische Fulani-Milizen. Häufig sei in Medienberichten zu lesen, dass die schweren Auseinandersetzungen im Süden des Landes zwischen christlichen Bauern und muslimischen Fulani-Nomaden keine religiösen Gründe hätten, sondern dass es ein Streit um Land sei. Doch die muslimischen Angreifer richteten sich gezielt gegen Christen, und die Attacken liefen oft nach einem einheitlichen Muster ab. Sie nutzten örtliche muslimische Verbündete, um von Christen und Muslimen bewohnte Gebiete zu identifizieren.

Die Muslime würden zumeist gewarnt und verließen dann „ganz still“ am Abend vor der Attacke das Dorf. Die Moscheen blieben von den Angriffen zumeist unberührt. Vor Gericht verantworten müssten sich die Angreifer anschließend nicht. Stattdessen würden manchmal Christen gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen.

Fulani-Milzen haben Maschinengewehre und Raketenwerfer

Ziel sei es, anschließend muslimische Fulani in den ursprünglich mehrheitlich christlich geprägten Dörfern anzusiedeln. Viele Christen seien darum nun in Flüchtlingslagern untergebracht. Die Fulani-Milizen seien gut ausgerüstet. Sie hätten unter anderem Maschinengewehre (AK-47) und Raketenwerfer.

Weil sie keine Bestrafung durch die Behörden fürchten müssten, trauten sie sich, die christlichen Dörfer anzugreifen: „Es ist eine Sache, wenn Extremisten Gewalt verherrlichen, aber wenn sie Unterstützung von der Regierung haben, dann wird es sehr gefährlich.“

An den Schalthebeln der Macht sitzen Muslime

Wie der Kirchenpräsident ferner sagte, sitzen an den entscheidenden Stellen des Landes Muslime. Die Vorsitzenden des aus zwei Kammern bestehenden Parlaments seien Muslime, ebenso der oberste Richter und fast alle Leiter der Sicherheitsabteilungen beim Militär und der Polizei. Baba rief dazu auf, das Leid der Betroffenen nicht zu vergessen. An die Teilnehmer gewandt sagte er: „Sie müssen unsere Stimme sein in der internationalen Gemeinschaft.“ Die Medien in Nigeria selbst seien häufig kontrolliert von der muslimischen Regierung und stellten die Situation anders dar. Von den 177 Millionen Einwohnern Nigerias sind 48 Prozent Kirchenmitglieder und 51 Prozent Muslime.

Der Kongress findet vom 10. bis 13. November statt. Mehr als 400 Interessierte nehmen daran teil. Veranstalter sind das Christliche Gästezentrum Württemberg (Schönblick) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit über 30 christlichen Hilfswerken und Menschenrechtsorganisationen. Der alle zwei Jahre stattfindende Kongress begann 2009 mit zehn Kooperationspartnern und 250 Teilnehmern. Er will für bedrängte und verfolgte Christen eintreten und ihnen eine Stimme geben. Unter den Referenten sind deswegen auch betroffene Christen, die aus ihren Heimatländern berichten, in denen Verfolgung aus Glaubensgründen zum Alltag gehört.

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