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Trier
08. April 2018

Menschenrechtler kritisieren Aufstellung eines „Marx-Götzen“

In Trier soll eine 5,50 Meter hohe Karl-Marx-Statue aufgestellt werden. Foto: picture-alliance/Harald Tittel/dpa
In Trier soll eine 5,50 Meter hohe Karl-Marx-Statue aufgestellt werden. Foto: picture-alliance/Harald Tittel/dpa

Bonn (idea) – Der Menschenrechtler und Ex-DDR-Häftling Alexander Bauersfeld (Hannover) hat die geplante Aufstellung einer 5,50 Meter hohen Karl-Marx-Statue in Trier scharf kritisiert. Er sprach bei der Jahresversammlung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main), die vom 6. bis 7. April in Bonn mit rund 150 Teilnehmern stattfand. Die Stadt Trier hatte das Denkmal von der Volksrepublik China als Geschenk bekommen. Es soll zum 200. Geburtstag des Philosophen am 5. Mai enthüllt werden. Für das Denkmal hatten im Stadtrat unter anderen die Mitglieder der SPD und der Linkspartei sowie große Teile der CDU-Fraktion gestimmt. Mit der Errichtung des „Marx-Götzen“ gibt es Bauersfeld zufolge einen „ungeheuren Tabubruch“. Erstmals seit 1989 werde damit in Deutschland wieder ein kommunistisches Denkmal errichtet, so der frühere DDR-Regimekritiker. Es sei besonders schlimm, weil China damit eine klare Absicht verfolge. Aus Sicht des kommunistischen Regimes sollen dadurch Bilder nach China transportiert werden, die suggerierten, dass auch deutsche Bürger den Marxismus verehrten. Es werde so der Eindruck erweckt, der Marxismus sei eine ganz normale Gesellschaftsordnung. Damit sei die Botschaft der Kommunisten an ihr eigenes Volk verbunden: „Widersetzt euch nicht! Die Deutschen tun es auch nicht.“ Der sowjetische Staatsgründer Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924) habe Leute, die zwar äußerlich gegen seine Revolution waren, sie aber unwissentlich doch unterstützten, „nützliche Idioten“ genannt: „Die Ratsherren, die diesem Götzen zugestimmt haben, sind für mich auch ,nützliche Idioten‘.“ Bauersfeld war eineinhalb Jahre lang politischer Gefangener in der DDR, bevor die Bundesrepublik ihn 1984 freikaufte.

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Marx schuf den Nährboden für kommunistische Verbrechen

Ähnlich äußerte sich der IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin (Frankfurt am Main) gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Wenn man aus China eine Marx-Statue bekomme, sei das ein „vergiftetes Geschenk“. Es sei einfältig, es anzunehmen. Marx habe den Nährboden geschaffen für die Taten der kommunistischen Herrscher und Diktatoren Mao Tse-Tung (1893–1976), Pol Pot (1928-1998) und Josef Stalin (1878–1953): „Sie haben sich alle auf ihn berufen“, so Lessenthin. Er rechne damit, dass es bei der Einweihung am 5. Mai auch Proteste geben wird.

Kommunistische Machthaber: Liebe zu China muss über der zu Gott stehen

Der frühere (katholische) Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun (86), warnte am Rande der IGFM-Jahresversammlung im Gespräch mit idea vor weiteren Einschränkungen der Religionsfreiheit in China. Ein aktuelles Beispiel sei die Verbannung von Bibeln bei chinesischen Onlinehändlern wie JD.com, Taobao und Amazon. Mehreren Medienberichten zufolge sind darüber keine gedruckten Bibeln mehr zu bekommen. Laut Zen wird in China gerade an einer eigenen neuen Übersetzung gearbeitet. Denn die kommunistische Führung wolle die sogenannte Sinisierungspolitik vorantreiben – also die chinesische Prägung aller Lebensbereiche im Sinne der Kommunistischen Partei. Dies gelte nun auch verstärkt für die Kirchen. Das Regime sei der Auffassung, dass die Liebe zum Heimatland über der Liebe zur Religion stehen müsse. Damit müsse Gott hinter dem Staat zurückstehen.

„Die Entwicklungen sind dramatisch“

Die Regierung gehe gegen alle Religionen vor, hauptsächlich aber gegen Christen, weil das Christentum als eine ausländische Religion angesehen werde. Das Regime habe in der Vergangenheit manchmal noch ein Auge zugedrückt und bereits bestehende, die Religionsausübung betreffende Gesetze nicht durchgesetzt. Man müsse aber damit rechnen, dass das nun vorbei sei, warnte Zen. So finde man beispielsweise an manchen katholischen Kirchen den Hinweis, dass Kindern unter 18 Jahren der Zutritt verboten ist, weil Religionszugehörigkeit erst ab diesem Alter erlaubt sei. Damit sei auch die Taufe der Kinder und der Empfang der Kommunion für Jugendliche verboten: „Die Entwicklungen sind dramatisch.“ Zen war von 2002 bis 2009 Bischof von Hongkong. Er erhielt Bonn am 7. April den „Stephanus-Preis“ der „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“. Er ist nach dem Diakon der christlichen Urgemeinde, Stephanus, benannt, der als erster Märtyrer wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Christus gesteinigt wurde.

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