Dienstag • 10. Dezember
„Christenverfolgung heute“ eröffnet
10. November 2019

Kauder: Für abgeschobene Konvertiten besteht teilweise Lebensgefahr

Der frühere Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder, sprach beim Kongress „Christenverfolgung heute“. Foto: idea/Köbke
Der frühere Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder, sprach beim Kongress „Christenverfolgung heute“. Foto: idea/Köbke

Schwäbisch Gmünd (idea) – Gegen die Abschiebung von konvertierten Flüchtlingen in Länder, in denen ihnen Verfolgung droht, hat sich der frühere Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder, gewandt.

ANZEIGE

Er sprach am 10. November bei der Eröffnung des ökumenischen Kongresses „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd. Er wird veranstaltet vom Christlichen Gästezentrum Württemberg (Schönblick, Schwäbisch Gmünd) und der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit über 30 christlichen Hilfswerken und Menschenrechtsorganisationen. Über 400 Interessierte nehmen daran teil.

Kauder sagte über Flüchtlinge, die vom muslimischen zum christlichen Glauben übergetreten sind: „Wenn sie hier Christen werden und wir sie dann wieder dorthin zurückschicken, wo sie herkommen, ist das ein miserables Beispiel für Religionsfreiheit in unserem Land.“ Für sie bestehe in Ländern wie Pakistan und dem Iran Lebensgefahr. Wie er weiter berichtete, gibt es derzeit die „unheilvolle Entwicklung“, Nationalismus und Religion zusammenzubinden und damit Menschen auszuschließen. Ein Beispiel sei Indien. Dort gebe es in mehreren Bundesstaaten die Auffassung, dass ausschließlich Inder in Kombination mit Hinduismus die nationale Identität bildeten, so Kauder, der auch Schirmherr des Kongresses ist.

Einsatz für verfolgte Christen ist eine „geschwisterliche Pflicht“

Der Einsatz für Religionsfreiheit und verfolgte Christen sei für Christen, die in Sicherheit und Wohlstand lebten, eine „geschwisterliche Pflicht“. Christen in Deutschland trügen die Verantwortung, dass Glaubensfreiheit auch in Zukunft bestehen könne: „Wenn es die Religionsfreiheit nicht gibt, gibt es auch keinen Schutz für Christen.“ Er rief dazu auf, für verfolgte Glaubensgeschwister zu beten und über das Thema öffentlich zu reden. Er kenne nur ein Regime, dem es „schnurzegal“ sei, was andere sagten, und das sei Nordkorea. Alle anderen Länder hingegen wehrten sich, wenn man sie öffentlich und in Publikationen als Verfolgerstaat darstelle.

Markus Grübel: Thema Religion gewinnt in der Bundesregierung an Bedeutung

Der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), sagte in der Auftaktveranstaltung, dass das Thema Religion in der Bundesregierung zunehmend Bedeutung gewinne. So sei eine Veranstaltungsreihe „Religion matters“ (Religion zählt) ins Leben gerufen worden, und im Auswärtigen Amt gebe es ein Referat zum Thema „Religion und Außenpolitik“. Grundsätzlich könne man bei der Diskussion über Christenverfolgung „eigentlich schwermütig“ werden. Er ermutigte aber, auch die positiven Zeichen wahrzunehmen. So habe etwa Papst Franziskus die Vereinigten Arabischen Emirate besucht. Dass er dort mit einem freundlichem Gesicht empfangen und dass sein Besuch und auch ein Gottesdienst im Fernsehen übertragen wurde, sei ein starkes Zeichen.

EKD-Oberkirchenrätin: Situation ist in vielen Ländern dramatisch

In einer zuvor aufgenommenen Videobotschaft an die Kongressteilnehmer sagt die Referentin der EKD für Menschenrechte, Migration und Integration, Oberkirchenrätin Sabine Dreßler (Hannover), dass die Situation von Christen in vielen Ländern dramatisch sei, etwa in Syrien und im Irak. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) habe versucht, ganze Gemeinden systematisch auszulöschen. Es sei gut, beim Kongress zusammenzukommen und zu überlegen, wie man den Christen dort helfen könne. Anschließend könnten Maßnahmen getroffen werden.

Der alle zwei Jahre stattfindende Kongress begann 2009 mit zehn Kooperationspartnern und 250 Teilnehmern. Er will für bedrängte und verfolgte Christen eintreten und ihnen eine Stimme geben. Unter den Referenten sind deswegen auch betroffene Christen, die aus ihren Heimatländern berichten, in denen Verfolgung aus Glaubensgründen zum Alltag gehört.

Dabei ist mit Nazira Goreya auch eine Christin aus Nordsyrien. Die Kovorsitzende des Exekutivrates des Kantons Cizire und Mitbegründerin der Suryoye Frauen Union in Rojava wird über die Situation in Nordsyrien nach dem Einmarsch der Türkei berichten. Ebenfalls vor Ort sind die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Maria Anthony, die von ihrer Arbeit – etwa über den Umgang mit Blasphemievorwürfen gegen Christen – erzählen wird, sowie der Kirchenpräsident der „Evangelical Church Winning all“ (ECWA) im nigerianischen Jos, Stephen Panya Baba. Zudem werden Missionare und Geistliche über die Situation in der Türkei, in Indien, China, im Irak und in Lateinamerika berichten. Neben den Plenumsveranstaltungen wird es 17 thematische Foren geben.

Diskutieren

Wir haben die Kommentarfunktion auf idea.de eingestellt. Im Gegenzug starten wir ein neues Format zum gezielten Austausch mit unseren Lesern: den ideaLog, eine einstündige Frage- und Antwortrunde auf Facebook zu ausgewählten Themen. mehr »

Diese Woche lesen Sie
  • Soziale Medien Du sollst nicht stänkern!
  • Alleinstehende Wie geht „richtig Weihnachten“?
  • Iran Geiseln im eigenen Haus
  • Seelsorge Gesetzentwurf zu Konversionstherapien gefährdet Religionsfreiheit
  • Onlinekommentare „Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt“
  • mehr ...
ANZEIGE