Sonntag • 17. November
Yklas Kabduakasov
01. September 2015

Kasachischer Christ ist „Gefangener des Monats September“

Die Festnahme von Yklas Kabduakasov wirft ein schlechtes Licht auf die Menschenrechtslage in Kasachstan. Foto: Privat
Die Festnahme von Yklas Kabduakasov wirft ein schlechtes Licht auf die Menschenrechtslage in Kasachstan. Foto: Privat

Frankfurt am Main/Wetzlar (idea) – Als „Gefangenen des Monats September“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea den kasachischen Christen Yklas Kabduakasov benannt. Sie rufen auf, für ihn einzutreten und zu beten. Am 14. August hatte die Polizei den Adventisten in Astana, der Hauptstadt Kasachstans, verhaftet. Vorher waren seine Wohnung durchsucht und religiöse Bücher beschlagnahmt worden. Kabduakasov hält sich zu einer Baptistengemeinde; auch sie wurde überprüft. Am folgenden Tag entschied ein Gericht, dass er bis zu zwei Monate in Untersuchungshaft bleiben soll. Bei einer Anhörung am 21. August wurde ihm die Verbreitung „religiöser, sozialer und nationaler Zwietracht“ vorgeworfen, weil er mit anderen Menschen diskutiert und christliche Bücher anbietet. Eine Verurteilung könnte fünf bis zehn Jahre Haft nach sich ziehen. Kabduakasov war bereits im Mai wegen „Missionstätigkeit“ schriftlich verwarnt und danach überwacht worden. Die IGFM und idea rufen dazu auf, den kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew um die umgehende Freilassung von Kabduakasov zu bitten. Er habe nur sein Recht auf Religionsfreiheit wahrgenommen. Seine Festnahme werfe zudem ein schlechtes Licht auf die Menschenrechtslage in Kasachstan.

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Restriktive staatliche Anerkennung

Nach Angaben der IGFM überwachen die Behörden in dem zentralasiatischen Staat christliche Gemeinden streng. Wer seinen Glauben weitergeben wolle, riskiere die Verhaftung. Das kasachische Religionsgesetz sehe ein komplexes und restriktives Registrierungssystem vor. So verlange es, dass sich mindestens 50 Personen gegenüber den Behörden namentlich als Gründer erklären müssen. Das bereitet kleinen christlichen Gemeinden Schwierigkeiten. Die Regierung behauptet, dass durch die Registrierungsbestimmungen keine internationalen Verpflichtungen Kasachstans verletzt werden. Demgegenüber stellte der UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Prof. Heiner Bielefeldt (Erlangen), bei einem Besuch im Frühjahr 2014 fest, dass ein Verbot der Ausübung von Menschenrechten ohne staatliche Erlaubnis gegen das Völkerrecht verstößt. Kasachstan hat den „Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ ratifiziert. Darin ist die Religionsfreiheit mit dem Recht auf Glaubensweitergabe garantiert. Von den 17 Millionen Einwohnern des Landes sind rund 70 Prozent Muslime und 26 Prozent Christen. Die übrigen gehören anderen Religionen an oder sind konfessionslos. Zur Evangelischen Allianz zählen etwa 250 Gemeinden mit 15.000 Mitgliedern.


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