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Fulani-Hirten
25. Oktober 2019

Kamerun: Erneut Bibelübersetzer ermordet

Im zentralafrikanischen Kamerun ist erneut ein Bibelübersetzer ermordet worden. Symbolfoto: worldwatchmonitor.de
Im zentralafrikanischen Kamerun ist erneut ein Bibelübersetzer ermordet worden. Symbolfoto: worldwatchmonitor.de

Wum (idea) – Im zentralafrikanischen Kamerun ist erneut ein Bibelübersetzer brutal getötet worden. Wie die Online-Zeitung Christian Post (Washington) berichtet, überfielen mehrere Personen – Einheimische sprechen von muslimischen Fulani-Hirten – Benjamin Tem in seinem Haus und schnitten ihm dort die Kehle durch.

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Die Tat ereignete sich am Abend des 20. Oktober in der Region Wum (Nordwest-Provinz). Laut Angaben des Leiters der Organisation „Oasis Network for Community Transformation“ (Oase Netzwerk für gesellschaftlichen Wandel), Efi Tembon, hatte Tem bei einem Wycliff-Projekt zur Übersetzung des Neuen Testaments in die Sprache des Stamms der Aghem gearbeitet. Das Projekt wurde 2016 abgeschlossen. Der 48-Jährige hinterlässt fünf Kinder.

Kollege vor zwei Monaten getötet

Es ist bereits der zweite Anschlag auf Mitarbeiter dieses Übersetzungsprojekts: Nur zwei Monate zuvor war sein Kollege Angus Abraham Fung (60) mit einer Machete getötet worden. Der Ehefrau des Opfers schnitten die Angreifer eine Hand ab. Laut Tembon konnte die Witwe das Krankenhaus in diesem Monat verlassen. Man plane, sie für weitere Untersuchungen in ein anderes Krankenhaus zu bringen und ihr dann dabei zu helfen, an einen sicheren Ort umzuziehen.

Stammesmitglieder der Aghem geflohen

Tembon zufolge kämpfen in der Region um Wum Separatisten für die Unabhängigkeit. Staatliche Akteure ermutigten die nomadischen Fulani-Hirtengemeinschaft, lokale Bauerngemeinschaften anzugreifen, die die separatistischen Rebellen unterstützen.

Tembon wirft der Regierung in diesem Zusammenhang vor, „dem Konflikt einen religiösen Aspekt zu verleihen“. Sie wisse, dass die Fulanis muslimisch sind und die lokale Bevölkerung eher Christen. Nach dem Mord an Tem seien Angehörige der Aghem – der Stamm soll zu 75 Prozent aus Christen bestehen – aus dieser Region geflohen. „Jetzt werden die Fulani ihre Tiere dort grasen lassen und versuchen, das Chaos zu nutzen, um das Land zu erobern“, befürchtet Tembon.

Nach seinen Angaben wurden bereits im Juni mehrere Kirchen sowie Häuser niedergebrannt und Menschen getötet. Von den 23,3 Millionen Einwohnern Kameruns sind jeweils etwa 25 Prozent evangelisch bzw. katholisch. 20 Prozent gehören dem Islam an. Weiterhin gibt es Anhänger von animistischen Religionen.

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