Samstag • 6. Juni
Hausschulfamilie
17. März 2020

Keine Lockerung der Schulpflicht in Sicht

Das Ehepaar Wunderlich mit ihren vier Kindern vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg (2017). Foto: adfinternational.org
Das Ehepaar Wunderlich mit ihren vier Kindern vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg (2017). Foto: adfinternational.org

Darmstadt (idea) – Eine der bekanntesten christlichen Hausschulfamilien, die Familie Wunderlich (Ober-Ramstadt bei Darmstadt), hat keine Hoffnung, dass das Verbot des Hausunterrichts in Deutschland grundsätzlich gelockert wird.

ANZEIGE

„Der Staat ist doch davon überzeugt, dass die Erziehung nur dann gelingt, wenn Kinder in die Schule gehen“, sagte Dirk Wunderlich der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Anlass der Anfrage bei der Familie war die Entscheidung der Landesregierungen, wegen der Corona-Krise überall den Schulunterricht ausfallen zu lassen und Schulen zu schließen.

Eltern sollen in dieser Phase ihre Kinder zu Hause betreuen. Im Blick auf den Hausunterricht sagte Wunderlich: „Wichtig ist, dass die Kinder lebenstüchtig sind.“ Wenn überall die Kinder nun zu Hause seien, liege darin auch eine besondere Chance: „Die Eltern können den Kinder das mitgeben, was ihnen persönlich wichtig ist.“

Rat: Viel Zeit draußen verbringen

Die Sorge, dass Eltern überfordert seien, wenn sie sich den ganzen Tag um ihre Kinder kümmern müssten, teilt Wunderlich nicht: „Solange es noch erlaubt ist, sollte die Familie viel Zeit draußen verbringen und etwa in den Wald gehen.“ Wenn es Reparaturen in der Wohnung und dem Haus gebe, sollten Eltern ihre Kinder anhalten, dabei zu sein und praktische Dinge zu erlernen.

Vorbild im christlichen Glauben sein

Auch für die Weitergabe des christlichen Glaubens biete die Schließung der Schulen eine besondere Chance: Wovon die Eltern überzeugt seien und was ihr Leben präge, werde auch die Kinder prägen, so Wunderlich. Dazu gehörte die tägliche Andacht ebenso wie das generationenübergreifende Miteinander.

Es ist laut Wunderlich ein „großer Fehler“, wenn Kinder im Gemeindealltag in Kindergruppen abgegeben werden: „Vom Säugling bis zum Urgroßvater sollten alle Generationen zusammen sein, um auf Gottes Wort zu hören.“ Auch Gruppen nur für Frauen oder nur für Männer hält Wunderlich für unbiblisch.

Die Geschichte der Familie

Dirk Wunderlich und seine Ehefrau Petra unterrichteten ihre vier Kinder aus christlicher Überzeugung zu Hause. 2013 hatten die Behörden die Kinder, die damals zwischen acht und 14 Jahre alt waren, drei Wochen lang in einem Heim untergebracht, um die Schulpflicht durchzusetzen.

Anschließend konnten die Kinder unter Auflagen damals wieder nach Hause zurückkehren. Gegen diese Entscheidung hatten die Wunderlichs mehrere Prozesse geführt, unter anderem im Februar 2019 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (Straßburg).

Den Prozess dort hatten sie verloren. Ein Recht auf Unterricht zu Hause gebe es in Deutschland nicht, hieß es zur Begründung. In der Familie wird nur noch die jüngste, 14-jährige Tochter schulisch unterrichtet. An einer Art Berufsschule nähmen aber auch ihre zwei älteren Geschwister im Alter von 18 und 19 Jahren teil.

Nach den Worten von Wunderlich lernen beide, als praktische Alleskönner sich um alle Fragen rund um Haus und Hof zu kümmern und ein kleines Unternehmen zu leiten.

Diskutieren

Wir haben die Kommentarfunktion auf idea.de eingestellt. Im Gegenzug starten wir ein neues Format zum gezielten Austausch mit unseren Lesern: den ideaLog, eine einstündige Frage- und Antwortrunde auf Facebook zu ausgewählten Themen. mehr »

Diese Woche lesen Sie
  • Glaube Warum verbirgt sich Gott?
  • Kommentar Die Dagobertisierung der EU
  • Ökonomie Die Große Ungewissheit
  • Kommentar Nicht jeder Konvertit hat Anspruch auf Asyl
  • Pro und Kontra Sollte man Gendersternchen verwenden?
  • mehr ...
ANZEIGE