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27. November 2019

Für Legalisierung von Abtreibungen: Studentische Initiative ausgezeichnet

Die seit 2015 aus einer Ärztin und Studentinnen bestehende Gruppe fordert unter anderem, die Paragrafen 218 und 219a Strafgesetzbuch zu streichen. Archivfoto: idea/Erika Gitt
Die seit 2015 aus einer Ärztin und Studentinnen bestehende Gruppe fordert unter anderem, die Paragrafen 218 und 219a Strafgesetzbuch zu streichen. Archivfoto: idea/Erika Gitt

Berlin/Münster (idea) – Die studentische Initiative „Medical Students for Choice“ (Medizinstudenten für Wahlfreiheit) an der Charité Berlin hat den mit 15.000 Euro dotierten Margherita-von-Brentano-Preis erhalten. Mit der Auszeichnung würdigt die Freie Universität Berlin (FU) Personen und Projekte, die sich um Frauenförderung und/oder die Geschlechterforschung sowie Gleichstellung verdient gemacht haben.

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Die seit 2015 aus einer Ärztin und Studentinnen bestehende Gruppe fordert unter anderem, die Paragrafen 218 und 219a Strafgesetzbuch zu streichen. Gemäß Paragraf 218 ist eine Abtreibung in Deutschland rechtswidrig, bleibt aber nach einer Beratung in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen straffrei, Paragraf 219a regelt das Werbeverbot für Abtreibungen.

Ferner fordert die Initiative ein deutschlandweites Zertifikat, das Ärzte zu Abtreibungen – unabhängig von der erlernten Fachrichtung – berechtigt.

Initiative: Abtreibungsverbot sei ein „patriarchales Mittel der Diskriminierung von Frauen“

In der Begründung des Präsidiums der FU Berlin heißt es, gewürdigt werde das herausragende Engagement „für die strukturierte Verbesserung der humanmedizinischen Lehre im Feld der Gendermedizin“ und das Eintreten für die „bessere Verankerung des Themas Schwangerschaftsabbruch in der ärztlichen Ausbildung“.

So sei das Thema dank der Aktivitäten der „Medical Students for Choice“ inzwischen in die Lehrpläne des Medizinstudiums integriert worden. Hervorgehoben wird zudem die Konzeption von sogenannten Papaya-Kursen, bei denen die angehenden Ärzte eine Abtreibung an den Früchten üben.

Wie die Initiative auf dem sozialen Netzwerk Facebook schreibt, habe sie „nicht damit gerechnet, dass sich die Freie Universität Berlin bei einem doch noch sehr brisanten Thema wie diesem, was selbst innerhalb Fachkreisen sehr umstritten ist und hitzig debattiert wird“, so klar positioniere. So seien die Tabuisierung und das Verbot von Abtreibungen „ein altes, patriarchales Mittel der Diskriminierung von Frauen und als Frauen gelesene Personen“. Wer hingegen eine Gleichberechtigung der Geschlechter befürworte, müsse „auch für die Selbstbestimmung der Frauen (und Menschen mit Uterus) sein“, so „Medical Students for Choice“.

Cullen: Fachgerechte Behandlung erfordert umfassende Erfahrung

Die Organisation „Ärzte für das Leben“ (Münster) reagierte mit Befremden auf die Preisverleihung. Der Vorsitzende Prof. Paul Cullen (Münster) schrieb in einer Pressemitteilung, die Vereinigung beobachte in letzter Zeit massive Versuche, die Abtreibung in die „ganz normale Regelversorgung einzugliedern“. Dazu gehöre auch das Engagement der „Medical Students for Choice“, die in den besagten Kursen eine Abtreibung – „also die Tötung eines Menschen vor seiner Geburt“ – mit der Ausschabung einer Papaya verglichen. „Außerdem hat die Charité auf unverantwortliche Weise die Abtreibung als einzige chirurgische Maßnahme von der Facharztausbildung in das Medizinstudium transferiert“, so Cullen.

Diese „ideologisch getriebene Unterschätzung der Abtreibung“ sei aufs Schärfste abzulehnen. So erfordere es eine umfassende Erfahrung und Ausbildung, um unvorhergesehene Komplikationen während und nach der Operation zu erkennen und fachgerecht zu behandeln. Über diese aber würden Medizinstudenten noch nicht verfügen.

Cullen ist Facharzt für Innere Medizin und Laboratoriumsmedizin. Die von ihm geleitete Vereinigung tritt „für das Leben jedes Menschen vom Augenblick der Zeugung bis zum natürlichen Tod ein“. Der Margherita-von-Brentano-Preis wird seit 1995 alle zwei Jahre verliehen. Er geht zurück auf die Philosophin und Professorin an der Freien Universität Berlin, Margherita von Brentano (1922–1995).

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