Samstag • 19. Januar
Urteil
10. Januar 2019

Europäischer Gerichtshof entscheidet gegen christliche Hausschuleltern

Das Ehepaar Wunderlich mit ihren vier Kindern vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg (2017). Foto: adfinternational.org
Das Ehepaar Wunderlich mit ihren vier Kindern vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg (2017). Foto: adfinternational.org

Straßburg (idea) – Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat am 10. Januar ein Urteil gegen christliche Hausschuleltern gefällt, die ihre vier Kinder zu Hause unterrichtet haben. Petra und Dirk Wunderlich (Ober-Ramstadt bei Darmstadt) hatten vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geklagt, weil die Polizei ihre Kinder 2013 zu Hause abgeholt hatte, um sie zur Schule zu bringen. Im Fall „Wunderlich gegen Deutschland“ entschieden die Richter nun: Die grundlegenden verfassungsrechtlich geschützten Rechte der Familie sind nicht verletzt worden, als Gerichte den Eltern teilweise das Sorgerecht entzogen und die Kinder zeitweise in staatliche Obhut genommen wurden. Die Eltern hatten sich aus religiösen Gründen geweigert, ihre Kinder auf eine öffentliche Schule zu schicken. Unterstützt wurde die Familie in Straßburg von der christlichen Menschenrechtsorganisation ADF International (Allianz zur Verteidigung der Freiheit/Wien). Ihr Anwalt, der Direktor von ADF International in Europa, Robert Clarke, äußerte sich in einer Pressemitteilung der Organisation „zutiefst enttäuscht“: Die Entscheidung „missachtet die Rechte der Eltern in ganz Europa, ihre Kinder ohne unverhältnismäßige Einmischung des Staates großzuziehen“. Das Ehepaar habe die Kinder nach seinen Überzeugungen erziehen wollen und entschieden, dass die häusliche Umgebung der beste Ort dafür sei: „Kinder haben ein Recht auf diese liebende Aufmerksamkeit ihrer Eltern.“ Er kündigte an, mit den Wunderlichs über eine Klage vor der obersten Instanz des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der Großen Kammer, zu beraten.

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Dirk Wunderlich: Ein sehr entmutigender Tag

Wie es in der Mitteilung heißt, stürmten im August 2013 mehr als 30 Polizisten und Sozialarbeiter die Wohnung der Familie. Sie hätten die Kinder auf brutale Weise von ihren Eltern und aus der Wohnung entfernt, sie in ein Heim gebracht und eine traumatisierte Familie hinterlassen. Die Kinder seien zwar ihren Eltern wieder übergeben worden, allerdings sei die rechtliche Situation weiterhin unklar. Denn Deutschland sei eines der wenigen europäischen Ländern, in denen Familien bestraft würden, wenn sie ihre Kinder zu Hause unterrichten wollten. Dirk Wunderlich sprach von einem sehr entmutigenden Tag für die eigene und die vielen betroffenen Familien in Deutschland. Es sei ein äußerst frustrierendes Ergebnis. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe die Ungerechtigkeiten, die die Familie durch die deutschen Behörden erlitten habe, nicht anerkannt. In den meisten Bundesländern ist die Schulpflicht in der Landesverfassung festgeschrieben und Verstöße dagegen gelten als Ordnungswidrigkeit, für die ein Bußgeld verhängt wird. In Hessen können auch bis zu sechsmonatige Haftstrafen die Folge sein.

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