Sonntag • 20. August
„Sea Watch“
06. August 2017

EKD fördert umstrittene Flüchtlingshilfsorganisation mit 100.000 Euro

Mitglieder des „Sea Watch“-Teams verteilen im Mittelmeer Rettungswesten an Flüchtlinge. Foto: picture-alliance/JOKER
Mitglieder des „Sea Watch“-Teams verteilen im Mittelmeer Rettungswesten an Flüchtlinge. Foto: picture-alliance/JOKER

Hannover/Berlin (idea) – Die EKD unterstützt den unter Flüchtlingen im Mittelmeer engagierten Verein „Sea Watch“ (Berlin) in diesem Jahr mit 100.000 Euro. Das bestätigte ein EKD-Sprecher auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Insgesamt seien für Seenotrettung, legale Zugangswege und kirchliche Auslandsprojekte 1,1 Millionen Euro bereitgestellt worden. „Mehr als 10.000 Menschen sind in den vergangenen drei Jahren auf ihrer Flucht nach Europa ums Leben gekommen“, erklärte der Sprecher. „Es ist humanitäre Pflicht, alles zu tun, um Menschen aus Seenot und vor anderen Gefahren zu retten.“ Gegen menschenverachtende Schlepperbanden und mafiöse Strukturen innerhalb und außerhalb Europas müsse mit polizeilichen Mitteln vorgegangen werden. Die wirksamsten Maßnahmen gegen die Gefahren auf der Flucht bestünden in legalen Zugangswegen für Schutzsuchende nach Europa.

ANZEIGE

„Sea-Watch-Aktivisten erwecken den Eindruck, reine Seenotretter zu sein, aber...“

„Sea Watch“ hat sich nach eigenen Angaben „der zivilen Seenotrettung von Flüchtenden im Mittelmeer“ verschrieben. Die Unterstützung ist allerdings umstritten. So wurden jüngst Vorwürfe laut, „Sea Watch“ bringe Flüchtlinge nicht – wie von der Politik gefordert – nach Libyen zurück, von wo sie aufgebrochen waren, sondern gezielt nach Europa. „Es geht also um mehr als Seenotrettung, es geht um Fluchthilfe und den Transfer von Auswanderern“, schrieb der Journalist Gunnar Schupelius in der Berliner Zeitung B.Z. „Die Sea-Watch-Aktivisten erwecken den Eindruck, reine Seenotretter zu sein. Tatsächlich aber wollen sie einer unbegrenzten Anzahl von Menschen den Weg nach Europa ebnen, egal ob die europäischen Länder diese Zuwanderung erlauben oder verkraften können.“ Nicht nur „Sea Watch“ steht in der Kritik. So beschlagnahmten italienische Behörden am 2. August ein Rettungsschiff der deutschen Organisation „Jugend rettet“ (Berlin). Sie soll gezielt mit Schlepperbanden zusammengearbeitet haben. Die Staatsanwaltschaft in Trapani ermittelt wegen des Vorwurfs der Begünstigung illegaler Migration gegen die Organisation. Der Vorwurf: Teile der Besatzung hätten mehrmals Migranten an Bord genommen, die nicht in Seenot und noch in Begleitung von Schleppern gewesen sein sollen. „Jugend rettet“ bestreitet die Vorwürfe.

Sicherheitsbehörden erwarten steigende Zuwandererzahlen

Die deutschen Sicherheitsbehörden rechnen in den kommenden Monaten mit einer Zunahme der Zuwanderung. Das geht laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ aus einer aktuellen Analyse des „Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums illegale Migration“ (Gasim) hervor. Hintergrund der Einschätzung ist die Anzahl der Überfahrten über das Mittelmeer und das Erreichen der Kapazitätsgrenze in Italien. Die Bundespolizei zählte nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 24.750 Fälle, in denen Menschen unerlaubt einreisten oder es versuchten. Der Großteil stellte nach der Ankunft einen Asylantrag. Innenstaatssekretär Ole Schröder (CDU) forderte mit Blick auf die Zuwanderung über das Mittelmeer eine Unterbringung der afrikanischen Asylsuchenden in Afrika. „Wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die sich aus rein wirtschaftlichen Gründen auf den Weg zu uns machen, schon in Afrika zurückgewiesen werden“, sagte Schröder der „Welt am Sonntag“. Ihnen müsse klargemacht werden, „dass sie in Europa keine Chance auf Asyl haben und die gefährliche Überfahrt zwecklos ist“. Der „Automatismus“, dass jeder, der es auf das Mittelmeer schaffe, auch nach Europa komme, müsse durchbrochen werden, verlangte der scheidende Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser sieben Tage kommentiert werden.

19 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Atheismus Kann man ohne Gott glücklich sein?
  • Pro & Kontra Haben Evangelikale noch Heimat in der EKD?
  • Allversöhnung Das Jüngste Gericht findet statt
  • Gemeindebau Heimliche Helden
  • Experiment Pfarrer setzt sich ein „Sterbedatum“
  • mehr ...
ANZEIGE