Montag • 25. Mai
Pro und Kontra
07. April 2020

Corona-Krise: Gefährden Kirchenschließungen die Religionsfreiheit?

Nicht nur die Wirtschaft ist betroffen: Die Versammlungsfreiheit wurde eingeschränkt. Foto: unsplash.com
Nicht nur die Wirtschaft ist betroffen: Die Versammlungsfreiheit wurde eingeschränkt. Foto: unsplash.com

Wetzlar (idea) – In der Corona-Pandemie sind Gottesdienste und Versammlungen in Kirchen untersagt. Ist dadurch die Religionsfreiheit gefährdet? Das fragt die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in ihrer Serie Pro und Kontra. Dazu äußern sich zwei prominente Autoren, der Bestsellerautor und Journalist Peter Hahne (Berlin) und der frühere Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein (Kassel).

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Hahne: Der Staat verbietet, was er nicht darf

Hahne zufolge hat der Staat keine Befugnis, „die Eigenständigkeit der Kirchen auszuhebeln“. Dieser verbiete, was er gar nicht dürfe. Selbst der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier beklage, dass durch die Pandemie den Deutschen elementare Grundrechte genommen würden. Besonders bedauert Hahne, dass sich die Kirchen „in vorlaufendem Gehorsam“ selbst geschlossen hätten. Er fragt: „Warum sind Getränkemärkte (Alkohol!) geöffnet, Gotteshäuser (Gebet!) geschlossen? Warum kann im Supermarkt Abstand gewahrt werden, im Bibelkreis nicht?“

Hahnes Schlussfolgerung: „Lieber Abstand als Leerstand.“ Risikogruppen sollten daheimbleiben. Das funktioniere im Bundestag auch. Hahne bedauert ferner, dass selbst die Evangelikalen gegen Gottesdienstverbote keinen Widerspruch einlegten. Dabei sei die erlebbare Gemeinschaft „die weltweit einmalige Ressource der Christen“, wie der Neomarxist Jürgen Habermas festgestellt habe. Hahne ist in Sorge, dass die Kirche derzeit alles tue, um nach Corona nicht mehr systemrelevant zu erscheinen.

Hein: Kirchenschließungen dienen dem Schutz anderer

Dagegen argumentiert Ex-Bischof Hein, die Kirchenschließungen dienten zum Schutz, der Gesundheit und dem Leben anderer. Nur deshalb lasse sich das staatliche Verbot der Gottesdienste rechtfertigen. Wie Hein einräumt, fallen die Einschränkungen gerade in dieser wichtigen Zeit des Kirchenjahres ungemein schwer, „wo Karfreitag und Ostern vor der Tür stehen“.

Hein ist jedoch davon überzeugt, dass „Corona“ und die Folgen in den Kirchen und Gemeinden große Fantasie und Kreativität freigesetzt hätten. Er sei beeindruckt, welche Möglichkeiten entwickelt würden, „damit wir zu Hause an Gottesdiensten teilnehmen können“. Zwar würden die zwischenmenschlichen Kontakte eingeschränkt, „nicht aber die mit Gott“. Hein ruft dazu auf, dafür zu beten, „dass es gelingt, die Pandemie einzudämmen, damit die Beschränkungen aufgehoben werden können“. Noch sei es nicht so weit. Dennoch zeigt sich der frühere Bischof davon überzeugt, dass auch Karfreitag und Ostern 2020 „für uns zum Segen werden“.

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