Montag • 20. Mai
Prof. Sauer
11. Mai 2019

Christenverfolgung: Geistliche Ursachen nicht ausblenden

Der Professor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, Christof Sauer. Foto: HMK/Elena Schächinger
Der Professor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, Christof Sauer. Foto: HMK/Elena Schächinger

Wetzlar (idea) – Wenn Synoden über die Verwendung des Begriffs „Christenverfolgung“ diskutieren, sollten sie die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (HMK) als einen kompetenten Partner anerkennen und nicht nur die großen säkularen Menschenrechtsorganisationen. Diese Ansicht vertrat der Professor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, Christof Sauer, am 11. Mai in Wetzlar. Er sprach bei der Einweihung einer HMK-Zweigstelle im dortigen Christlichen Medienhaus. Sauer nahm Bezug auf die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, die am 10. Mai in Frankfurt am Main über Religionsfreiheit und Menschenrechte diskutiert hatte. Nach den Worten von Sauer reicht es nicht aus, wenn Kirchenleitungen sich mit dem Thema fast ausschließlich aus der Perspektive von Menschenrechten und Religionsfreiheit für alle befassten, „so wichtig und gut das ist“. Zumindest in der innerkirchlichen Kommunikation sei zuerst eine theologische und geistliche Deutung der Bedrängnis von Christen notwendig. Beim Thema Christenverfolgung gehe es letztlich darum, „wem die Anbetung der Menschen gehört und wer die Herrschaft über die Herzen der Menschen hat“. Nach biblischer Deutung tobe ein „kosmischer Konflikt, in dem der Widersacher Gottes die Menschen von ihm wegzulenken versucht“. Deshalb sei die Ursache von Christenverfolgung „geistlich gesehen die Proklamation der freimachenden guten Nachricht von Jesus und der Aufruf zum Loyalitätswechsel, weg von den Götzen und menschlichen religiösen Vorstellungen hin zu dem lebendigen Gott“.

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Steeb: Die HMK lenkt den Blick auf das Leiden der verfolgten Gemeinde

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), würdigte, dass die HMK den Blick auf das Leiden der verfolgten Gemeinde lenke. Zu Forderungen in Verfolgerstaaten, dass die Christen darauf verzichten sollten, Jesus Christus zu bekennen, sagte er, sie könnten nicht schweigen: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Kritik am Grußwort der EKD zum Ramadan

Der Vorsitzende der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, Helmut Matthies (Brandenburg/Havel), kritisierte das Grußwort des EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), zum islamischen Fastenmonat Ramadan, der am 5. Mai begonnen hat. Während Millionen Christen in islamischen Ländern diskriminiert und verfolgt würden, fehle darin jede Bitte an die Muslime in Deutschland, sich für die Religionsfreiheit der Christen in der islamischen Welt einzusetzen. Außerdem werde Jesus Christus in dem Grußwort nicht erwähnt. Bedford-Strohm hatte unter anderem geschrieben: „Das Bekenntnis zum einen Gott verbindet das Christentum mit dem Judentum und ist auch für den Islam grundlegend.“ Matthies bezeichnete es als eine „Irrlehre“, wenn behauptet werde, Christen und Muslime glaubten an einen gemeinsamen Gott.

HMK: „Christen an vorderster Front der Verfolgung stärken“

Der Missionsleiter der Hilfsaktion Märtyrerkirche, Manfred Müller (Uhldingen am Bodensee), sagte, das Hilfswerk wolle „Christen an vorderster Front der Verfolgung“ stärken, damit sie ihren Glauben bekennen können. Dies geschehe beispielsweise durch Schulungen, aber auch materiellen Hilfen. Müller rief dazu auf, für besonders stark bedrängte Christen zu beten, beispielsweise in Nordkorea und Saudi-Arabien. Die Hilfsaktion Märtyrerkirche beschäftigt in Deutschland 15 Mitarbeiter, davon vier in der neuen Zweigstelle im Christlichen Medienhaus in Wetzlar. Dort haben idea und die Medienagentur „zeichensetzen“ ihren Sitz. Die HMK verfügt damit jetzt nach eigenen Angaben über ein Büro in zentraler Lage Deutschlands. Damit sei man näher an den Gemeinden und den Evangelikalen.

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