Freitag • 19. Oktober
BVL-Fachtagung
22. September 2018

Birgit Kelle: In Deutschland wird zu wenig diskutiert

Die katholische Publizistin Birgit Kelle. Foto: Kerstin Pukall
Die katholische Publizistin Birgit Kelle. Foto: Kerstin Pukall

Berlin (idea) – Deutschland ist zu einem Land voller Mimosen geworden, in dem viele Diskussionen leider nicht mehr geführt werden. Dieser Ansicht ist die katholische Publizistin Birgit Kelle. Bei einer Tagung des Bundesverbandes Lebensrecht zum Thema „Sprache – M(m)acht – Mensch“ mit rund 100 Teilnehmern am 21. September in Berlin rief sie auf, die eigene Meinung mutig und offen zu sagen. Die Veranstaltung bildet den Auftakt zum „Marsch für das Leben“ am 22. September. Wer nicht die Mehrheitsmeinung vertrete und etwa Abtreibungen oder die Einführung der „Ehe für alle“ kritisiere, werde zunehmend sozial geächtet, sagte Kelle. Das könne dazu führen, dass in der Öffentlichkeit nur noch eine Hauptmeinung vertreten werde. Sie forderte dazu auf, das Recht auf Meinungsfreiheit intensiv zu nutzen. Ferner kritisierte sie das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“, demzufolge Betreiber sozialer Netzwerke strafbare Inhalte löschen müssen, wenn sie darauf hingewiesen werden. Kelle hob hervor, dass der Gesetzgeber den Begriff nicht definiert habe. Das führe „aus Selbstschutzgründen“ zu verstärkter Zensur durch die Betreiber. Das Gesetz sei so zu einem indirekten Instrument geworden, um das Internet zu kontrollieren.

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Jürgen Liminski: Wer gegen Abtreibung ist, wird als „ultrakonservativ“ gebrandmarkt

Der Journalist und Geschäftsführer des Instituts für Demographie, Allgemeinwohl und Familie, Jürgen Liminski (Sankt Augustin bei Bonn), warnte auf der Tagung vor dem „schleichenden Gift der Sprache“ in der medialen Berichterstattung. Eine objektive Auseinandersetzung mit Themen wie Lebensrecht oder Gender gebe es nur selten. Stattdessen seien Berichte häufig ideologisch gefärbt. Journalisten sähen sich selbst, so Liminski, gerne als neutrale Beobachter, seien aber oft abhängig von ihren Auftraggebern. Eine unabhängige Berichterstattung sei „ein sterbendes Handwerk“. Wer sich gegen Abtreibung engagiere und eine Familie als „Vater, Mutter und Kind“ definiere, gelte als „ultrakonservativ sowie demokratiefeindlich“ und werde als „Rechtsaußen“ gebrandmarkt. Darauf müsse man mit Fakten reagieren, sagte Liminski.

Kinderarzt: Abtreibungen gelten zu schnell als „Lösung“

Der Kinderarzt Prof. Holm Schneider (Erlangen) betonte in seinem Vortrag, dass es medizinische Möglichkeiten gebe, Fehlbildungen und Erkrankungen schon vor der Geburt zu behandeln. Trotzdem neigten Pränatalmediziner dazu, bei vorgeburtlichen Auffälligkeiten eine Abtreibung als „scheinbar einfachste Lösung“ vorschnell ins Gespräch zu bringen. So liege bei einem „offenen Rücken“ die Abtreibungsrate derzeit bei 90 Prozent, obwohl der Nutzen vorgeburtlicher Operationen in Studien eindeutig belegt worden sei. Diese Behandlungsmöglichkeiten dürften in der ärztlichen Beratung nicht verschwiegen wegen, sagte Schneider. Er rief dazu auf, sich mutig mit neuen Behandlungsmethoden auseinanderzusetzen und werdende Eltern intensiver zu beraten. Der Bundesverband Lebensrecht ist ein Zusammenschluss von 13 Organisationen. Er wird von Alexandra Maria Linder (Weuspert/Sauerland) und von Hartmut Steeb (Stuttgart) geleitet, der im Hauptamt Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz ist. Der „Marsch des Lebens“ steht in diesem Jahr unter dem Motto „Menschenwürde ist unantastbar. Ja zu jedem Kind – Selektion und Abtreibung beenden“. Im vergangenen Jahr waren rund 7.500 Teilnehmer auf die Straße gegangen, um für einen besseren Schutz ungeborener Kinder zu demonstrieren. Sie mussten von 900 Polizisten vor linksradikalen Gegendemonstranten geschützt werden.

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