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Kritik an Glaubensprüfungen
25. November 2019

Bedford-Strohm gegen Abschiebung von Konvertiten

Der bayerische Landesbischof Heinrich-Bedford Strohm. Foto: ELKB/Rost
Der bayerische Landesbischof Heinrich-Bedford Strohm. Foto: ELKB/Rost

Bamberg (idea) – Gegen eine Abschiebung von Flüchtlingen, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind, hat sich der bayerische Landesbischof Heinrich-Bedford Strohm (München) ausgesprochen. Er ist auch EKD-Ratsvorsitzender.

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Wenn Betroffene in Länder wie den Iran oder Afghanistan abgeschoben würden, drohten ihnen aufgrund der Konversion „massive auch innerfamiliäre Anfeindungen“ und möglicherweise staatliche Verfolgung, sagte Bedford-Strohm am 25. November in seinem Bericht vor der bayerischen Landessynode in Bamberg.

Es löse Kopfschütteln und manchmal Proteste in Kirchengemeinden aus, wenn engagierte Mitglieder plötzlich von Abschiebung bedroht seien – oft in ein Land, „in dem sie keinerlei Andockpunkte mehr haben“. Wenn es sich um Staaten wie den Iran oder Afghanistan handle, machten sich diejenigen, die Flüchtlinge begleiten, Sorgen um deren Leib und Leben.

Der Landesbischof hält es ferner nicht für sinnvoll, „gut integrierte Menschen“ angesichts der vorhandenen Engpässe an Arbeitskräften abzuschieben. Empörung lösen nach seinen Worten auch die Glaubensprüfungen aus, die bei Gerichten und im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vorgenommen werden. Häufig werde die Ernsthaftigkeit des Glaubenswechsels durch das BAMF oder die Verwaltungsgerichte bezweifelt und Asylanträge abgelehnt.

Bedford-Strohm: „Ob die Voraussetzungen für die Taufe vorliegen und damit auch die Ernsthaftigkeit des Taufbegehrens, kann aber nicht der Staat oder ein Gericht berurteilen.“ Das sei allein Sache der Kirche. Kirchliche Stellungnahmen – etwa von Gemeindepfarrern – müssten viel stärker berücksichtigt werden.

Kauder ein „starker Verbündeter“

Nach Angaben des Landesbischofs gab es zu dem Thema auch Gespräche von führenden Vertretern der Landeskirche mit Politikern. Bei Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sei er „durchaus auf Wohlwollen“ gestoßen. Mit dem früheren Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, habe man ohnehin einen „starken Verbündeten“.

Der Landesbischof rief ferner dazu auf, mehr vom christlichen Glauben zu sprechen: „Lasst uns alle zusammen – Ehren- und Hauptamtliche aller Berufsgruppen – neu durchbuchstabieren und neu erfahren, welche Dimension der christliche Glaube für unser Leben eröffnet.“

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