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„So auf Erden“
05. Oktober 2017

Ein Film mit „starker Botschaft“ – aber nicht frei von Klischees

Pastor Johannes Klare und sein Schützling, der drogensüchtige Musiker Simon. Foto: SWR/Eikon Südwest GmbH/Christian
Pastor Johannes Klare und sein Schützling, der drogensüchtige Musiker Simon. Foto: SWR/Eikon Südwest GmbH/Christian

Berlin (idea) – Ein unterschiedliches Echo hat der am 4. Oktober in der ARD (20.15 Uhr) ausgestrahlte Spielfilm „So auf Erden“ ausgelöst, den fast zwei Milionen Zuschauer gesehen haben. Die Handlung spielt in einer charismatisch-freikirchlichen Gemeinde, die von dem Pastorenehepaar Johannes und Lydia Klare (Edgar Selge und Franziska Walser) geleitet wird. Die beiden nehmen den drogensüchtigen Straßenmusiker Simon (Jannis Niewöhner) wie einen verlorenen Sohn bei sich auf und helfen ihm beim Entzug. Die zunehmende Nähe zu dem schwulen jungen Mann weckt bei dem Pastor seine verdrängte Homosexualität – und sie haben Sex miteinander. Klare hat danach Schuldgefühle, sucht einen Exorzisten auf, der ihm auf Lateinisch den Teufel austreiben soll. Am Ende steht Vergebung – und eine Gemeindespaltung.

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Freikirchen-Präsident: Der Film bringt die reformatorische Botschaft auf den Punkt

Für den Präsidenten der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, Christoph Stiba (Wustermark bei Berlin), beschreibt der Film „das Ringen von Menschen mit Gott und miteinander tiefgründig, sensibel und mit einer starken evangelischen Botschaft am Ende“. Zum 500-jährigen Reformationsjubiläum bringe der Film den Kern freiheitlich-reformatorischer Theologie auf den Punkt: „Gerechtfertigt vor Gott aus Gnade!“ Der Film spiele in einer Freikirche, sei jedoch keine treffende freikirchliche Milieustudie, schreibt Stiba in einem Kommentar für die Evangelische Nachrichtenagentur idea. Die Darstellung sei „vielmehr geprägt von pietistisch-protestantischer Frömmigkeit, einem Glauben, der auf Gott vertraut, ihm Wunder zutraut, Nächstenliebe, Hingabe, Bibelorientierung. Auch hier und da mit der Gefahr, der Scheinheiligkeit zu erliegen.“ Den Exorzismus würde man wohl eher in der katholischen Kirche verorten, so Stiba. An vielen Stellen sei der Film zugespitzt, die Handlung stark verdichtet und geradezu überfrachtet: „Eigentlich behandelt er zu viele Themenstränge in 90 Minuten.“ Die Darstellung der Christen sei mitunter klischeehaft. Doch die Botschaft bleibe stark. Die Ehefrau des Pastors bringe es am Ende auf den Punkt: „Das Leben braucht so viel Vergebung von uns, jeden Tag, immer wieder!“ Aus dieser Gnade sollten Christen immerzu leben, so Stiba. Er ist im Hauptamt Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden).

Heimowski: Eine typische Freikirche sieht so nicht aus

Mit „gemischten Gefühlen“ reagierte der Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz am Sitz des Bundestages und der Bundesregierung, der Baptist Uwe Heimowski, auf den Film. Er bediene etliche Klischees und vermenge freikirchliche Elemente (Gottesdienstform, Straßeneinsätze und Taufverständnis) mit einer katholischen Praxis (Exorzismus). Eine „typische Freikirche“ sehe so nicht aus. „Schade, wenn ein Zerrbild vermittelt wird“, schreibt Heimowski auf seiner Facebookseite. Andererseits werfe der Film Fragen nach dem freikirchlichen Milieu auf, denen man sich selbstkritisch stellen müsse: „Wie echt ist unsere Liebe? Wie ist es um unsere Barmherzigkeit bestellt? Wie ehrlich sind unsere Motive?“ Der Film sei geeignet für einen Hauskreis, in dem offen und vertraut gesprochen werden könne.

Freikirchliche Zuschauerin: „Der Film ist extrem polarisierend und einseitig“

Auch die Zuschauerreaktionen sind geteilt. Eine Frau schreibt in einem Kommentar: „Ich komme aus einer freikirchlichen Gemeinde und empfinde diesen Film extrem polarisierend und einseitig. Ich kann nicht nachvollziehen, warum solche Filme mit unseren Rundfunkgebühren finanziert werden.“ Ein anderer Zuschauer dankt der ARD „für diesen herausragenden Film“. Produziert wurde „So auf Erden“ von der Fernseh- und Filmproduktionsgesellschaft EIKON, deren größter Gesellschafter die EKD ist. Im Begleittext heißt es, der Film zeige „evangelikale Spielformen des Fundamentalismus“ und solle „unter bibeltreuen Christen zu einem Gesprächsanlass“ über Gnade und Gesetz werden.

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