Montag • 25. März
Computerspiele
05. März 2019

Viele Jugendliche „verzocken Zeit und Geld“

Viele Jugendliche spielen zu lange am Computer und werden süchtig. Foto: pixabay.com
Viele Jugendliche spielen zu lange am Computer und werden süchtig. Foto: pixabay.com

Hamburg (idea) – Computerspiele bergen ein erhebliches Suchtpotenzial für Heranwachsende. Das hat eine am 5. März veröffentlichte Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen (beide Hamburg) ergeben. Demnach gelten 15,4 Prozent der 12- bis 17-Jährigen als sogenannte „Risiko-Gamer“. Das sind 465.000 Jugendliche dieser Altersgruppe. Sie zeigten „ein riskantes oder pathologisches Spielverhalten“, so die Untersuchung. Für die repräsentative Studie „Geld für Games – wenn Computerspiel zum Glücksspiel wird“ befragte das Forsa-Institut 1.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren. Jeder „Risiko-Gamer“ spielt danach am Wochenende fünf Stunden und mehr am Tag. Einzelne Spieler gäben in einem halben Jahr bis zu 1.000 Euro für die Anschaffung von Spielen und Extras aus.

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Krankenkasse: Den Glücksspielcharakter in Computerspielen eindämmen

„Durch die Tricks der Industrie finden viele Jugendliche kein Ende und verzocken Zeit und Geld“, erklärte der Vorstandschef der DAK-Gesundheit, Andreas Storm. Aus Spaß könne schnell Sucht werden. Storm fordert deshalb, den Glücksspielcharakter in Computerspielen einzudämmen. So brauche man wie in Belgien und den Niederlanden ein Verbot von „Lootboxen“. Dabei handelt es sich häufig um kostenpflichtige Pakete mit zufälligen Zusatzinhalten für Spiele, etwa neue Waffen oder Kostüme für die Spielfigur. Storm plädiert ferner dafür, für die Spieler Warnhinweise einzublenden, wenn bestimmte Spielzeiten überschritten sind. Der Studie zufolge beschäftigen sich 72,5 Prozent der Jugendlichen in Deutschland regelmäßig mit Computerspielen wie Fortnite, FIFA und Minecraft. Das seien hochgerechnet mehr als drei Millionen Minderjährige. Bei den Jungen liege der Anteil der Spieler bei knapp 90 Prozent, bei den Mädchen bei gut 50 Prozent. 3,3 Prozent der „Risiko-Gamer“ unter den 12- bis 17-Jährigen erfüllten sogar die Kriterien einer Computerspielabhängigkeit, etwa Entzugserscheinungen und Kontrollverluste.

Übermäßiges Spielen führt zu mehr Fehlzeiten in Schule und Ausbildung

Nach Angaben des Studienleiters und Suchtexperten Prof. Rainer Thomasius kann übermäßiges Computerspielen zu verstärkten Schulproblemen führen: „Elf Prozent der Risiko-Gamer fehlen innerhalb von einem Monat eine Woche oder mehr in der Schule oder Ausbildung. Das ist etwa drei Mal häufiger als bei unauffälligen Spielern.“ Fast alle befragten Jugendlichen nennen „Spaß“ als Hauptmotivation für das Spielen am Computer. 75 Prozent sagten, sie könnten dabei „gut abschalten“. Jeder Zweite tut es, weil Freunde auch spielen. Knapp 30 Prozent geben an, nicht an „unangenehme Dinge“ denken zu müssen. 15 Prozent der „Risiko-Gamer“ fühlen sich unglücklich, wenn sie dieser Leidenschaft nicht nachgehen können. Jeder 20. (fünf Prozent) hat durch das Spielen „ernsthafte Probleme“ mit der Familie oder Freunden. Die DAK-Gesundheit untersucht die Thematik nach eigenen Angaben seit fünf Jahren. Aktuell finanziert die Krankenkasse neue Broschüren, die Jugendliche, Eltern und Lehrer über die Entwicklung bei Computerspielen informieren, Risiken aufzeigen und Hilfen anbieten. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.computersuchthilfe.info und www.dak.de/internetsucht.

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