Montag • 18. März
Christlicher Medienverbund KEP
20. Februar 2019

Christoph Irion: Empfehlungen im Framing-Papier der ARD sind fragwürdig

Die ARD hat ein „Framing-Papier“ in Auftrag gegeben. Foto: picture-alliance/dpa
Die ARD hat ein „Framing-Papier“ in Auftrag gegeben. Foto: picture-alliance/dpa

Berlin/Wetzlar (idea) – Der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbunds KEP (Wetzlar), Christoph Irion, hält Aussagen in dem „Framing-Papier“ der ARD für fragwürdig. Zum Hintergrund: Die ARD hatte 2017 bei der Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling ein Gutachten zum Thema Framing in Auftrag gegeben. Anfangs waren nur Fragmente aus dem Papier öffentlich, mittlerweile hat die Plattform Netzpolitik.org das gesamte Dokument online gestellt. „Framing“ ist ein Forschungsfeld aus der Linguistik. Dabei geht es darum, durch eine gezielte Wortwahl einen bestimmten Deutungsrahmen zu setzen, um die Adressaten zu einer gewünschten Interpretation zu lenken. In dem Papier empfiehlt Wehling etwa, sich nicht sachlich, sondern moralisch mit den Argumenten der Kritiker auseinanderzusetzen. Wie Irion auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, spiegelt das Papier eine tiefe Verunsicherung in den Chefetagen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wider: „Die Senderverantwortlichen suchen nach Kommunikationsstrategien, um der Unzufriedenheit ihres Publikums und Pauschalvorwürfen wie ,Lügenpresse‘ oder ,Staatsfunk‘ zu begegnen.“ Dabei gehe es durchaus um Identitäts- und um wichtige Legitimierungsfragen, denn die Öffentlich-Rechtlichen finanzierten sich vor allem aus jährlich rund acht Milliarden Euro Rundfunkbeiträgen, die quasi jeder Haushalt zahlen müsse.

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Das Papier nicht überbewerten

Dass sich die ARD dafür professionelle Beratung leiste, sei grundsätzlich nachvollziehbar, so Irion. Es sei auch richtig, dass gerade Medienprofis sorgsam damit umgehen sollten, welche Sprachmuster und Begriffe welche Bilder und Emotionen in den Köpfen ihrer Zuschauer auslösten: „Doch das darf nicht dazu führen, dass berechtigte Kritik durch geschickte Sprachspiele abgebügelt wird. Wenn die ARD verärgerte Bürger zurückgewinnen will, darf sie nicht den Eindruck erwecken, sie wolle manipulieren.“ Wenn in so einem Papier im Zusammenhang mit den privaten Mitbewerbern Sat.1, RTL oder ProSieben Sprachmuster wie „medienkapitalistische Heuschrecken“ oder „Profitzensur“ ins Spiel gebracht werden, „ist das schon sehr fragwürdig“. Man dürfe das Papier aber auch nicht überbewerten: „Es ist keine offizielle Strategie der ARD, sondern nach eigenen Angaben eine Diskussionsgrundlage für interne Seminare.“ Trotzdem hätten die Verantwortlichen einige Vorschläge daraus übernommen, etwa das Motto „Wir sind deins“ oder „unser gemeinsamer, freier Rundfunk“.

FAZ: Ein skandalöser Sprachmanipulationsleitfaden

Der Journalist Philip Plickert vertrat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Ausgabe vom 20. Februar) die Ansicht, dass es mit „manipulativem Sprach-Framing“ nicht gelingen werde, verlorenes Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen. Ihm zufolge handelt es sich um einen skandalösen „Sprachmanipulationsleitfaden mit Propagandaansätzen wie aus einem Orwell-Roman“. Kritiker des Systems der „Rundfunkzwangsbeiträge“ würden in die Ecke eines Anti-Demokraten gestellt. Plickert: „Kritiker und Verweigerer als ,Feinde des Volkes‘ abzustempeln ist ein Merkmal totalitärer Systeme, daher ist es erschreckend, mit welchen Denkmustern Wehling arbeitet.“ Von allen großen europäischen Ländern zahlten die Deutschen die höchsten Rundfunkbeiträge. Nur in den kleineren skandinavischen Ländern und in der Schweiz sei der Beitrag noch höher. Unmut in Teilen der Öffentlichkeit gebe es auch über die mangelnde politische Neutralität der öffentlich-rechtlichen Sender: „Zu oft hat es den Anschein einer grün-linken Schlagseite. Ein Umdenken ist dringend erforderlich.“ Dazu zählten Selbstbeschränkung auf Kernaufgaben, mehr Kostendisziplin, Objektivität sowie Ausgewogenheit und weniger „Haltungsjournalismus“.

Süddeutsche Zeitung: Als seien die Öffentlich-Rechtlichen im Krieg

Der Journalist Jakob Biazza schrieb in der Süddeutschen Zeitung (Ausgabe vom 19. Februar), der Leser des Papiers könne den Eindruck gewinnen, die Öffentlichen-Rechtlichen befänden sich im Krieg. Problematisch könne man es finden, dass die ARD dieses Papier in Auftrag gebe und es dann „aus urheberrechtlichen Gründen“ lieber nicht veröffentlicht sehen wollte, „wo sich der öffentlich-rechtliche Verbund doch gerade erst und noch ganz ohne Framing-Manual Transparenz verordnet hat“. Der Journalist Hans-Peter Siebenhaar äußerte auf Handelsblatt-Online, dass die ARD statt Manipulationshandbüchern ein neues Selbstverständnis brauche. Der Skandal um das lange geheim gehaltene Dokument werde kleingeredet, Unrechtsbewusstsein auf der Chefetage sei nicht erkennbar. Den hausinternen Skandal blende die ARD auf ihren eigenen Kanälen weitgehend aus: „Ein Lehrstück über das Demokratieverständnis à la ARD.“

ARD-Vorsitzender Wilhelm: Halte Aufregung um das Papier für übertrieben

Der ARD-Vorsitzende und Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, teilte derweil am 20. Februar mit, dass er die Aufregung um das Papier für völlig übertrieben halte. Es handele sich um eine Workshop-Unterlage von 2017 und nicht um eine verbindliche Kommunikationsstrategie oder um eine Handlungsanweisung an die Mitarbeiter. Die Initiative für das Papier liegt nach den Angaben von ARD-Vorsitz und -Generalsekretariat etwa zwei Jahre zurück, als der Vorsitz noch beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) lag. Die Kosten für die Arbeitsunterlage und begleitende Workshops beliefen sich der ARD zufolge auf 90.000 Euro, die der MDR als Vorsitzanstalt bezahlt hat. Weitere 30.000 Euro habe das ARD-Generalsekretariat für Folgeworkshops bezahlt.

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