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Musikpreis „Echo“
14. April 2018

Antisemitismus-Vorwurf: „Echo“-Preis für Rapper ist eine Schande

Die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang wurden mit dem Echo ausgezeichnet. Foto: picture-alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang wurden mit dem Echo ausgezeichnet. Foto: picture-alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (idea) – Die Debatte um die Verleihung des Deutschen Musikpreises „Echo“ an die Rapper Kollegah und Farid Bang hält an. Ihnen wird Antisemitismus vorgeworfen. Das Duo war am 12. April in Berlin in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden. In ihrem Lied „0815“ (Album „Jung, brutal, gut aussehend 3“) heißt es: „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen.“ Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster (Würzburg), nannte die Auszeichnung der beiden eine Schande. Der Bundesverband Musikindustrie und die Jury hätten das historische Erbe Deutschlands völlig ausgeblendet, kritisierte Schuster laut der Tageszeitung „Rheinische Post“: „Dass die Verantwortlichen der Musikindustrie für solche Texte unter dem Deckmantel der Kunst- und Meinungsfreiheit einen Freifahrtschein erteilen, ist ein Skandal.“ Bei der Preisverleihung hatte als Einziger der „Tote Hosen“-Sänger Campino das Duo kritisiert. Man müsse unterscheiden, ob Provokation ein Stilmittel sei oder dazu diene, andere auszugrenzen. Für ihn persönlich sei die Grenze überschritten, „wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme, antisemitische Beleidigung geht und die Diskriminierung jeder anderen Religionsform.“

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Designierter Antisemitismus-Beauftragter: Das ist inakzeptabel

Der designierte Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, erklärte in einem Interview mit der BILD-Zeitung, dass solche Zeilen die Kunstfreiheit missbrauchten: „Es ist sehr problematisch, dass damit auch noch Hunderttausende junger Menschen erreicht werden. Einer renommierten Veranstaltung wie die Echo-Preisverleihung ist das nicht würdig.“ Der Bundesverband Musikindustrie hatte zuvor erklärt, die Entscheidung des Echo-Beirats, das Duo nicht von der Nominierung auszuschließen, sei eine „mehrheitliche Entscheidung im Sinne der Kunstfreiheit“ gewesen. Sie sei aber verknüpft gewesen „mit klarer Missbilligung der Sprache und der in dem Song getroffenen Aussagen sowie mit dem Appell, dieses Thema auf breiter gesellschaftlicher Front öffentlich zu diskutieren“. Der Musikpreis „Echo“ wird seit 1992 von der Deutschen Phono-Akademie verliehen. Sie ist das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie. Die Jury hat rund 550 Mitglieder. Nach Angaben der Veranstalter, wird „gleichberechtigt durch den Chartserfolg und das finale Jury-Votum entschieden“, wer einen Echo gewinnt.

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