Montag • 22. April
Russland
06. April 2019

Staat ließ baptistisches Seminar für 60 Tage schließen

Immer wieder reguliert die russische Regierung Kirchen und christliche Gemeinden. Symbolfoto: pixabay.com
Immer wieder reguliert die russische Regierung Kirchen und christliche Gemeinden. Symbolfoto: pixabay.com

Moskau (idea) – 60 Tage lang war das „Moskauer Theologische Seminar“ des russischen Baptistenbundes nach einem entsprechenden staatlichen Erlass geschlossen. Seit dem 26. März ist es wieder in Betrieb, bestätigte der Präsident der Ausbildungsstätte, Peter Mitskevich, gegenüber der Evangelische Nachrichtenagentur idea. Die Schließung war von der Bundesbehörde für die Aufsicht in Erziehung und Wissenschaft, Rosobrnadzor, angeordnet worden, nachdem sie vermeintliche Verstöße gegen Bauvorschriften und Ausbildungsstandards festgestellt hatte. Die 138 eingeschriebenen Studenten durften das versiegelte Gebäude nicht mehr betreten. Von der Einstellung des Unterrichtsbetriebs betroffen waren auch die 1.500 Fernstudenten. Nach den Worten von Mitskevich erfolgte der Schließungserlass völlig unerwartet. Die Studenten hätten sich dann an einem anderen Ort getroffen, um für die Beilegung des Konflikts zu beten. Nach Ablauf der Verfügung habe man den Unterrichtsbetrieb ohne weitere Auflagen wieder aufnehmen können, so der Präsident.

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Baptisten bilden nur den eigenen Theologennachwuchs aus

Über die Schließung hatte zuerst die Menschenrechtsorganisation Forum 18 (Oslo) berichtet. Ihr zufolge war der Erlass umstritten. Denn nur staatlich anerkannte Bachelor- und Masterstudiengänge unterlägen der Kontrolle durch die Regierung. Doch solche Studiengänge sind am Baptistenseminar noch nie angeboten worden. Dort werden ausschließlich angehende Pastoren für die Gemeinden des Bundes ausgebildet. Nach Informationen des Russlandfachmanns und Journalisten William Yoder (Königsberg) sind auch gegen andere Ausbildungseinrichtungen in privater Trägerschaft in Moskau Schließungsverfügungen erlassen worden. Das habe er vor kurzem bei einem Besuch in der russischen Hauptstadt erfahren, sagte er idea.

Seminar der Pfingstler bleibt weiter geschlossen

Das Eurasische Theologische Seminar der Vereinigung der russischen Pfingstgemeinden in Moskau musste bereits im November 2018 seinen Betrieb einstellen – ebenfalls auf Anordnung von Rosobrnadzor. Nach den Worten des Anwalts des Seminars, Vladimir Ozolin, ist man aber dabei, die nötigen Lizenzen neu zu beantragen. Er äußerte gegenüber Forum 18 die Vermutung, dass die Regierung versuche, alle Kirchen außerhalb der russisch-orthodoxen Kirche systematisch einzuschüchtern. Zur Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten gehören über 1.800 Gemeinden mit rund 76.000 Mitgliedern. Die Pfingstbewegung in Russland vertritt 1.500 Gemeinden mit rund 100.000 Angehörigen.

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