Sonntag • 20. Oktober
Pro und Kontra
01. Oktober 2019

Macht Glauben glücklich?

v. l.: Die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der EKBO, Amet Bick, und die Diakonisse und Predigerin der Landeskirchlichen Gemeinschaft „Haus Gotteshilfe“ Rosemarie Götz. Fotos: Heidi Scherm; Privat
v. l.: Die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der EKBO, Amet Bick, und die Diakonisse und Predigerin der Landeskirchlichen Gemeinschaft „Haus Gotteshilfe“ Rosemarie Götz. Fotos: Heidi Scherm; Privat

Wetzlar (idea) – „Macht Glauben glücklich?“ Diese Frage stellt die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz in einer Kampagne. Das Wort „Glück“ findet sich kein einziges Mal im Neuen Testament. Das heißt aber nicht, dass das Christentum zu diesem Thema nichts zu sagen hätte. Zwei Christinnen befassen sich mit der Frage in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Gott nah zu sein, ist Glück

Die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Amet Bick, meint, die Frage nach dem Glück habe „das Zeug dazu, einem die ganz großen Lebensthemen um die Ohren zu hauen“. Das Thema stelle Christen vor grundsätzliche Fragen wie „Woran glaube ich eigentlich?“ und „Welche Rolle spielt Gott in meinem Leben?“.

Sie persönlich finde die Antwort in dem Bibelwort „Gott nah zu sein, ist mein Glück“ (Psalm 73). Gott sei für sie eine alles durchströmende Lebendigkeit. „Ich glaube, dass er mich trägt und führt, wenn ich ihn nur lasse und meine eigenen Pläne für mich und die Welt zurückstelle.“ Glauben heiße für sie vertrauen.

Der Glaube gebe ihr Mut, zu sich selbst zu stehen. Er sei befreiend und ermögliche, sich zu öffnen und zu lieben. Das sei nicht immer leicht. Manchmal erfordere es innerliche Arbeit, zu anderen Zeiten werde es „einfach so geschenkt“. Dann erfülle sich ihre Sehnsucht und sie fühle sich Gott nah. „Also ja, Glauben macht glücklich“, so Bick.

Kontra: Christen sind geborgen, aber nicht immer glücklich

Die Diakonisse und Predigerin der Landeskirchlichen Gemeinschaft „Haus Gotteshilfe“ (Berlin-Neukölln), Schwester Rosemarie Götz, meint dagegen, die Frage müsse differenziert beantwortet werden. Sie selbst könne sich zwar „kein getrosteres Leben vorstellen als in der engen Verbindung zu Jesus Christus“, sie sei trotz ihres Glaubens aber nicht immer nur glücklich.

Obwohl sie mit einer relativ guten Gesundheit ausgestattet sei, habe sie im Laufe der Jahre eine Krebserkrankung und andere gesundheitliche Schwierigkeiten verkraften müssen. Dabei fühle sie sich „getragen und geborgen bis ins Alter hinein“, aber nicht immer glücklich. In ihrer Landeskirchlichen Gemeinschaft sei sie über 900 persischen Flüchtlingen begegnet.

Viele von ihnen hätten ihre Heimat verlassen müssen, weil sie den christlichen Glauben angenommen hätten. „Macht sie ihr Glaube glücklich? Ja und nein!“ Es sei ein Glück, zu Jesus finden zu dürfen und mit ihm zu leben. Dabei seien Christen „nicht immer glücklich, aber mit einer ewigen Hoffnung beschenkt“.

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