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Liebenzell
01. Juni 2020

Auch das Tun des Gerechten hat Wirkungskraft

Der Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL), Prof. Volker Gäckle. Foto: Liebenzeller Mission
Der Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL), Prof. Volker Gäckle. Foto: Liebenzeller Mission

Bad Liebenzell (idea) – „Wir leben heute in Europa in einer Welt, die eine Entwicklung erlebt, in der Mission als religiöse Belästigung bewertet wird.“ Das sagte der Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL), Prof. Volker Gäckle, in seiner Predigt zum Pfingstmissionsfest der Liebenzeller Mission. Wegen der Corona-Krise konnte die Veranstaltung in diesem Jahr nicht wie gewohnt in Bad Liebenzell stattfinden. Die einzelnen Beiträge wurden deshalb aufgezeichnet und am 31. Mai morgens auf der Webseite der Liebenzeller Mission eingestellt.

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Gäckle führte weiter aus, dass „religiöse“ und „sexuelle Belästigung“ immer häufiger in einem Atemzug genannt würden. Dabei seien die Menschen oft nicht bloß „uninteressiert“ am Evangelium. Oft verbäten sie sich sogar, darauf überhaupt angesprochen zu werden. Als glaubwürdig gelte heute nur noch der, „der tut, was er sagt“ und Gehör fänden nur noch die, „die mit ihrem ganzen Leben unterstreichen, was sie in ihrem Herzen“ bewege.

Deshalb sollten Christen bedenken, dass auch „das Tun des Gerechten durch die Jünger“ eine „Wirkungskraft in dieser Welt“ habe, weil es die Botschaft von der „in Jesus erfüllten Gerechtigkeit Gottes spürbar, erlebbar und schmeckbar werden“ lasse. Dennoch gehöre zu den guten Werken, von denen Jesus in Mt 5,16 spreche, auch die Verkündigung des Evangeliums von der Gerechtigkeit Gottes. Man könne „beides überhaupt nicht auseinanderreißen.“

Christen sollen davon sprechen, was sie glauben und tun, was sie sind

Mit Bezug auf den Predigttext in Mt 5,13-16 betonte Gäckle die Bedeutung des christlichen Zeugnisses: „Wenn Christen nicht davon reden, was sie glauben und wenn Christen nicht tun, was sie sind, dann wird man die Würze, die Jesus in ihr Leben hineingelegt hat, nicht mehr schmecken.“ Auch Jünger Jesu könnten nämlich „ihre Salzkraft verlieren“. Um der Aufforderung Jesu nachzukommen, sei es jedoch nicht nötig, sich „gleich mit den Helden der Kirchengeschichte“ zu vergleichen.

Es gehe nicht darum, dass „jeder Christ eine Martin-Luther-Kopie oder ein Mutter-Theresa-Abklatsch“ werde. Christen könne man „schon schmecken, wenn sie in der Kantine ihr Haupt zu einem stillen Gebet senken. Christen kann man schmecken, wenn sie bei bestimmten Witzen nicht mitlachen und bei bestimmten Tratschereien nicht mitmachen.“ Sie ließen sich bereits erkennen, wenn sie erwähnen, „dass Jesus der Herr ihres Lebens ist.“

Von Christen werde nicht erwartet, die Welt zu retten. „Diese Verheißung haben wir nicht und wir könnten’s auch gar nicht.“ Schon das „Sein bei Jesus“ enthalte dagegen „Salzkraft“ und „Attraktivität für eine vergehende Welt“.

Großes Interesse an Studium in Bad Liebenzell

Im Gespräch mit dem Direktor der Liebenzeller Mission, Pfarrer Johannes Luithle, teilte Gäckle mit, dass sich bisher 95 Christen für einen der IHL-Studiengänge beworben hätten. Das größte Interesse bestehe wie in den Vorjahren an dem interdisziplinären Bachelor-Studiengang Theologie/Soziale Arbeit. Dort gibt es ihm zufolge bislang 52 Bewerbungen.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Bewerberzahlen für die Bachelor-Studiengänge Evangelische Theologie (23 Bewerbungen) und Theologie/Pädagogik (20) deutlich gestiegen. Für den Master-Studiengang Integrative Beratung und die Interkulturelle Theologische Akademie gibt es bislang jeweils 6 Bewerbungen.

Wirtschaftliche Einbußen und hohe Spendenbereitschaft

Verwaltungsdirektor Thomas Haid berichtete, dass die Liebenzeller Mission von der Corona-Krise schwer getroffen wurde. Die „Christlichen Gästehäuser Monbachtal“ (bei Bad Liebenzell) mussten Mitte März auf behördliche Anordnung geschlossen werden. Immerhin sei dort seit Mitte April nun eine Gruppe von Flüchtlingen untergebracht, die zur Corona-Risikogruppe gehöre. Der Gruppenreiseveranstalter „Freizeiten & Reisen“, der zur Liebenzeller Mission gehört, musste seit März über 60 Reisen absagen.

Allerdings ist Haid zuversichtlich, dass durch die Lockerungen der Reisewarnungen zumindest die Sommerfreizeiten in Deutschland und Europa stattfinden können. Hilfreich sei auch die große Spendenbereitschaft der Unterstützer. Bis 26. Mai seien bereits fast fünf Millionen Euro für die weltweite Missionsarbeit eingegangen.

Kein Missionar musste wegen Geldmangels zurückgerufen werden

Der Großteil der für die Liebenzeller Mission im Ausland tätigen Mitarbeiter bleibt in ihrem Einsatzland. Das sagte der scheidende Missionsdirektor Martin Auch. Man habe ihnen die Möglichkeit gegeben, nach Deutschland zurückzukehren, wenn sie „keinen Frieden mehr darüber“ hätten, zu bleiben. Weniger als ein Prozent habe sich dafür entschieden, andere seien im Rahmen des regulären Heimaturlaubs zurückgekehrt. Angehörige von Risikogruppen seien grundsätzlich zurückgerufen worden.

Erfreulich sei, dass kein einziger Missionar „aufgrund von mangelndem Geld“ zurückgerufen werden musste. Noch wichtiger als materielle Hilfen sei in dieser Zeit die Anwesenheit der Mitarbeiter, die den Einheimischen vor allem auch „ganzheitlich helfen“ und ihnen beistehen wollten.

Schwester Johanna Hägele: Wir haben unsere Gemeinschaft neu schätzen gelernt

Die Oberin der Liebenzeller Schwesternschaft, Schwester Johanna Hägele, schilderte die Auswirkungen der Corona-Krise. Zwar sei keine der Schwestern am Virus erkrankt. Dennoch sei die Situation auf der Pflegestation zwischenzeitlich problematisch geworden, als einige Mitarbeiterinnen krankheitsbedingt ausfielen: „In der Pflege gibt es kein Home-Office und keine Kurzarbeit.“ Gott habe jedoch immer „zur rechten Zeit“ die nötige Hilfe in Form von zusätzlichen Pflegekräften geschickt.

Als jedoch das Feierabendhaus die Pforten für Besucher schließen musste, seien die Schwestern ganz auf sich allein gestellt gewesen. Dennoch betonte Hägele: „Wir haben unsere Schwesterngemeinschaft noch nie so schätzen gelernt, wie in diesen Wochen.“ Da die Schwestern laut Corona-Verordnung als Familie zählten, konnten sie sich ohne Beschränkungen zum Beten und auch zu gemeinsamen Mahlzeiten treffen.

Die Liebenzeller Mission ist mit rund 230 Mitarbeitern in 23 Ländern eine der größten evangelischen Missionsorganisationen in Deutschland. Sie gehört zur Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM). Zweimal jährlich veranstaltet sie Missionsfeste. Das nächste soll am 13. September stattfinden.

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