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Theologin Wendebourg
01. Oktober 2019

Hätte Gott auch als Frau Mensch werden können?

Die Theologieprofessorin Dorothea Wendebourg. Foto: Photo Volke 2018
Die Theologieprofessorin Dorothea Wendebourg. Foto: Photo Volke 2018

Berlin (idea) – Die evangelische Theologieprofessorin Dorothea Wendebourg (Berlin) hat Äußerungen ihrer katholischen Kollegin Prof. Dorothea Sattler zur Menschwerdung Gottes zugestimmt. Die Leiterin des Instituts für Ökumene und Dogmatik an der Universität Münster hatte in einem „Welt“-Interview gesagt, Gott hätte auch als Frau Mensch werden können. Allerdings sei es angesichts der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vor rund 2.000 Jahren von Gott klug gewesen, als Mann Mensch zu werden.

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Wie Wendebourg auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, hätte Gott „selbstverständlich“ auch als Frau Mensch werden können: „Das Entscheidende am menschgewordenen Gott ist, dass er für die gesamte Menschheit steht, die er als gesamte erlösen will.“ Es werde ja niemand behaupten, dass der Erlöser nur für die Männer stehe, weil er ein Mann sei. Vielmehr gehe jeder Christ (ob männlich oder weiblich) davon aus – und die Kirchengeschichte habe dies immer betont –, „dass das Menschsein, das er in Jesus Christus angenommen hat, auch die Frauen einschließt“. Deshalb spreche man ja von Menschwerdung, nicht von Mannwerdung Gottes.

Der Kirchenvater Gregor von Nazianz (um 329–390) habe einst den Satz geprägt: „Was (in der Inkarnation) nicht angenommen ist, das ist nicht erlöst.“ Das gelte auch für diese Frage, so Wendebourg. „Warum sollte ein in weiblicher Ausprägung angenommenes Menschsein weniger inklusiv sein als das männliche?“ Menschen seien in der Regel nun einmal Frauen oder Männer.

Menschwerdung Gottes als Mann „hängt wohl mit der Zeit zusammen“

Folglich habe der Mensch werdende Gott das Menschsein in der einen oder anderen Form annehmen müssen. In Jesus Christus habe er es als Mann getan – „was wohl mit der Zeit zusammenhängt, die er für die Inkarnation wählte“. Damals hätten, wie Frau Sattler zu Recht sage, bestimmte gesellschaftliche Rahmenbedingungen gegolten, zu denen die Menschwerdung in dieser Form am besten gepasst habe.

Professorin Wendebourg war von 1995 bis 2009 Vorsitzende des Theologischen Ausschusses der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und von 1998 bis 2009 lutherische Kovorsitzende der Theologischen Kammer der EKD. Von 2002 bis 2017 hatte sie eine Professur für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte/Reformationsgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin inne.

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